In Zeichenhimmel und -hölle
Nach dem langen Premierenschlussapplaus setzt sich Shlomi Shaban, zuständig für «Songwriting und Komposition», noch für eine Zugabe ans Klavier und versammelt alle auf der Bühne um sich. Man müsse «Bucket List», den einzigen Song, der es nicht in die Inszenierung geschafft habe, wenigstens auf diese Weise anständig beerdigen. Es folgt eine leicht wehmütige Balla -de übers einsame Nachdenken alternder Großstadtbewohner, was sie in ihrem Leben überhaupt noch so anstellen wollen. Was verpasst? Was wäre noch drin?
Dabei ist «Bucket List» (dt.
«Wunschzettel») nicht irgendein Song, der während der Proben rausgeflogen ist, sondern wohl die dramaturgische Klammer, die Yael Ronens erste Inszenierung zurück an der Berliner Schaubühne nach über einem Dutzend Jahren am benachbarten Gorki Theater hätte zusammenhalten sollen. Und der Titelsong sowieso. Doch dann kam der 7. Oktober mit dem Massaker der Hamas, weit über 1000 Toten und dem darauf folgenden Krieg in Gaza.
Nun beginnt «Bucket List» am Premierentag des 9. Dezember mit «War sings», einer düster-trotzigen Kriegshymne und bitteren Abrechnung zugleich, die mit dem Aufruf, sich dem Kampf anzuschließen, die Katastrophe heraufziehen sieht. ...
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Theater heute Februar 2024
Rubrik: Aufführungen, Seite 10
von Franz Wille
HALBERSTADT, GLEIMHAUS
ab 25.2., Alexander Kluge – Enlightenment (=Aufklärung). Eine Ausstellung für meine Heimatstadt
Die Ausstellung von Alexander Kluge, 1932 in Halberstadt geboren, geht künstlerisch u.a. der Frage nach, was Aufklärung im 21. Jahrhundert bedeuten kann; im Zentrum dabei die Wurzeln im «Gemüt» von Menschen. Die Sonderausstellung steht in...
KAPITEL 1: MEINE MUTTER – Teil 1
Also, das geht jetzt irgendwie los … ich versuch mal was …
Wenn meine Mutter ein Theaterstüük über unsere Familie schreiben würde, so wäre der Abend sehr kurz. Sie würde sagen: wir waren sehr glücklich, ich bin sehr stolz auf meine Kinder, sie sind beide sehr erfolgreich, sie haben alles bekommen, was sie wollten, ich habe gut für...
Diese «Verwandlung» ist nicht über Nacht passiert, sondern liegt in den Händen des Publikums. Manuel Gerst, Gründungsmitglied der Theatergruppe Monster Truck und hier solistisch in der Regieverantwortung, hat eine Inszenierung nach Franz Kafkas berühmter Erzählung angekündigt – doch im Berliner Ballhaus Ost sind die Tische gedeckt für eine Performance im Stil von...
