In Stöckelschuhen über Leichen
Als es im syrischen Krieg noch Hoffnung gab, machte ein Video-Appell an Diktator Bashir al-Assads schöne junge Frau Asma die Runde: «Wenn deine Kinder fragen, was du getan hast, um das Blutvergießen zu stoppen, was wird deine Antwort sein?», fragten darin die Ehefrauen zweier Diplomaten und sammelten Unterschriften von zig-tausenden Kriegsgegnern. Asma al-Assads «Reaktion»: Sie bestellte die neue Kollektion exquisiter High Heels von Louboutin.
Zynische Anekdoten wie diese mögen Theresia Walser auf ihr jüngstes Stück «Ich bin wie ihr, ich liebe Äpfel» (ein Gaddafi-Zitat) gebracht haben. Drei Diktatorengattinnen und ihr parasitärer Ruhm mitsamt den grotesken Deformationen der Macht bilden das Tableau für eine Komödie, bei der Walsers eigenwilliger Sprachwitz die skurrile Munition liefert. Schon 2006 hatte die Autorin eine ähnliche Versuchsanordnung gewählt, um die mediale Banalität des Bösen vorzuführen: «Ein bisschen Ruhe vor dem Sturm» zeigte den Hahnenkampf dreier Schauspieler um die Frage, wer von ihnen den besseren Hitler/Goebbels gegeben hat. Nun, in Walsers fünftem Auftragswerk fürs Mannheimer Nationaltheater, führen drei ehemalige First Ladys einen monströsen Diven-Krieg ...
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Theater heute März 2013
Rubrik: Nationaltheater Mannheim, Seite 50
von Barbara Behrendt
Treffpunkt ist das New Shimbashi Building im Süden Tokyos, ein etwas in die Jahre gekommenes mehrstöckiges Einkaufszentrum mit unzähligen kleinen Geschäften, Massageläden und Büros. Baujahr 1971, genau wie das Atomkraftwerk Fukushima Daiichi, in dem es vor zwei Jahren in drei der sechs Reaktoren zur Kernschmelze gekommen war. Shimbashi ist nach wie vor sehr...
Es ist mir ein Bedürfnis geworden, Bomben zu werfen. Das prickelt einem ordentlich, das ist ein feines Gefühl. Das ist ebenso schön, wie einen abzuschießen», schwärmt im Juli 1940 ein Deutscher namens Pohl, Oberleutnant der Luftwaffe, zur damaligen Zeit Kriegsgefangener. Dokumentiert haben Sätze wie diese Briten und Amerikaner, die während des Zweiten Weltkriegs...
Die Pediküre kann warten. Die Unabhängigkeit nicht.» Der Regisseur maßregelt eine Schauspielerin, die den nächsten Tag mit Kosmetik beginnen will. «Ab neun Uhr wird geprobt, es geht um nationale Interessen!» Ein neues Theaterstück soll entstehen, aus Anlass der Unabhängigkeit des Kosovo. Urplötzlich brach der Auftrag über die staatliche, aber seit Monaten nicht...
