Die Kinder sind weg
Die Putzfrau mal schnell ein Ciabatta für die Mittagspause kaufen schicken und sich dann nicht mal für diesen Extra-Dienst bedanken – im Gegensatz zu seinem schlecht gelaunten Kompagnon in der auf In-Vitro-Fertilisation spezialisierten Privatklinik würde Sebastian so etwas niemals tun.
Der geschiedene Arzt behandelt seine bulgarische Reinigungskraft Jana mit demselben Schwiegersohncharme wie die deutsche Empfangsdame seiner Praxis – und bekocht Janas attraktive Tochter Veronika, die aushilfsweise an Mutters Stelle in seiner Zehlendorfer Villa putzt, so locker englisch plaudernd mit Pasta, als wäre sie eine neue Freundin seines Sohnes Arthur, die es zu beeindrucken gilt.
Veronika ist auch der Grund, weshalb Putzfrau und Mediziner sich in Sylvie Michels Spielfilmdebut «Die feinen Unterschiede» näher kommen, als beiden lieb ist. Der Titel ist keine Mogelpackung; tatsächlich arbeitet Michel – die lange als Script Supervisorin für Wim Wenders gearbeitet hat – in der französischen Tradition des eher spröden, sich tief in Milieus hineingrabenden Alltagsrealismus von Claude Sautet. Und auch ihr Drehbuch-Co-Autor Razvan Radulescu («Vier Monate, drei Wochen, zwei Tage») steht für ein Kino ...
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Theater heute März 2013
Rubrik: Magazin: Film, Seite 61
von Eva Behrendt
Am Schauspiel Köln hat es die schöne Helena in die Untiefen der TV-Unterhaltung verschlagen. Es läuft beinharter Nachmittagstalk, Thema: «Ich Opfer». Der Zankapfel des Trojanischen Krieges – Helena war Paris ja mehr oder weniger freiwillig, aber definitiv ehebrechend nach Troja gefolgt, was ihren Gatten Menelaos zum Feldzug veranlasste – treibt die ortsansässigen...
Gibt es eine Erklärung für den Gelegenheitsmord der netten, klugen 17-Jährigen Stephanie und Cat an ihrem Kumpel Stephen? Wahrscheinlich schon. Vielleicht aber auch nicht. Tot ist er trotzdem. – Simon Stephens’ «Morning» im Jungen Theater Basel ist ein beiläufiges Stück, das man nicht übersehen sollte.
Wie geht es weiter am Frankfurter Mousonturm? Martine Dennewald...
Es beginnt mit einem Ende. Die letzten Töne einer festlichen Musik sind zu hören. Ein Tusch. Dann Applaus. Zwei Hände, Füße, dann der dazugehörige Mann schieben sich durch den Vorhang am hinteren Bühnenende. Nach und nach folgen ihm seine Mitspieler, dann stehen sie alle vor uns: drei Frauen, drei Männer. Gekleidet in Alltagsklamotten. Ein gefrorenes Lächeln auf...
