In Erbauungslaune

John Dryden/Henry Purcell «King Arthur», Stephens nach Haddon «Supergute Tage»

Theater heute - Logo

Für pathos- und patriotismusimmune Zeitgenossen ist «King Arthur» eine ziemliche Herausforderung. Gepusht von atmosphärischen Gesangseinlagen, konkurrieren der titelgebende britische Good Guy und der sächsische Bad Guy Oswald in John Drydens und Henry Purcells «Semiopera» nicht nur um Grund und Boden, sondern vor allem um eine blinde, blondgelockte Emmeline, die zu vorgerückter Stunde von einem Zauberkobold namens Philidel (Sonja Beißwenger) erstaunlich kollateralschadenarm sehend getropft wird.

Dass man sich bei alledem nie ganz sicher ist, ob es die beiden Könige mitsamt ihrer per­sonalintensiven Entourage aus Luft-, Erd- und Waldgeistern eigentlich gerade in eine Märchenposse, in eine Vorabendromanze oder in ein Kriegsmelodram verschlagen hat, macht die Sache nicht einfacher. Von des Gedankens Blässe angekränkelter Tiefgang war allerdings auch nicht erwünscht, als die barocke Nationaloper 1691 in London uraufgeführt wurde: «King Arthur» ist klassische Herrscher-Huldigung. Wer sich dieses Werk heute vornimmt, braucht wirklich gute Gründe – die das Staatsschauspiel Dresden offenbar in seiner Historie gefunden zu haben glaubt. Als aufwändige Koproduktion mit der benachbarten ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Dezember 2013
Rubrik: Chronik Dresden, Seite 55
von Christine Wahl

Weitere Beiträge
Die radioaktive Anstalt

Unter dem Vorhang blitzt ein Schuh. Als sich der Vorhang lüftet, gehört der Schuh zu einer Leiche und die Leiche zum ersten Fratzenbild, das Regisseur Herbert Fritsch dem Dramatiker Friedrich Dürrenmatt ins Komödienschuhfach geschoben hat.

«Die Physiker» spielen im Irrenhaus. Wobei Fritsch die Raumfrage wie üblich selbst gelöst hat, und zwar einfach raffiniert....

Der Gedärmeforscher

Der Gedärmeforscher Eines Sommerabends vor sechs Jahren warteten eine Freundin und ich in einer Sparkassen-Filiale am Rosenthaler Platz auf einen freien Geldautomaten. Ein Typ mit wirren grauen Haarsträhnen und sackartig ausgebeultem, speckigem Anorak hatte schon ziemlich lange auf eins der Geräte einge­redet und hilflos an ihm herumlaboriert, als er schließlich...

Fastfood zum Vorabend

Auch über ein Jahr nach Erscheinen steht «1913», Florian Illies’ Canapésammlung des deutschen Künstlerklatsches am Vorabend des Ersten Weltkrieges, noch auf den oberen Rängen der Bestseller-Listen. Denn es ist auch zu schön: Saftig wegzulesen wie eine «Gala», frischt man dabei auch einige verblüffende zeit- und kunsthistorische
Zusammenhänge auf. Und erfährt zudem...