Im Wohlfühlzauber

Zweimal «Antigone»: doppelt verspiegelt am Residenztheater und in Leichter Sprache an den Münchner Kammerspielen, dazu lustvolle Weltflucht mit Bonn Parks «Alles ist aus, aber wir haben ja uns (Unterwasser)» und geteiltes Leid mit Magdalena Schrefels «Archiv der Tränen»

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Warum nicht einmal etwas leicht machen? Wo ohnehin alles schon schwer genug ist. Ausgerechnet die Münchner Kammerspiele, die sich sonst gern aller kursierender Probleme annehmen, verheißen das, indem sie das Urdrama eines unauflöslichen Konflikts in sogenannte «Leichte Sprache» übertragen lassen, von einer Übersetzerin, die, welch ein Omen, auch noch den schönen Namen Anne Leichtfuß trägt! Sätze, so das einschlägige, 2006 etablierte Regelwerk, sollen kurz sein und möglichst nicht mehr als acht Wörter enthalten. Es gibt nur Hauptsätze.

Fremdwörter und Fachbegriffe werden erklärt. Ein Konzept, das in erster Linie der besseren Verständlichkeit von Gebrauchstexten dient. Behörden lassen ihre Informationen in Leichte Sprache übertragen, um Barrieren abzubauen für Menschen, die nicht gut Deutsch können oder kognitive Einschränkungen haben.

Einen literarischen Text künstlich zu vereinfachen, erscheint dagegen zunächst einmal, wie eine Schneise durch den Urwald zu schlagen – was bleibt da noch übrig!? Andererseits muss man, wo ohnehin übersetzt wird, vielleicht auch nicht zu pietätvoll sein. Herausgekommen ist im Fall von «Anti·gone» (so heißt sie nun, der Übersichtlichkeit halber mit ...

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Theater heute 4 2023
Rubrik: Aufführungen, Seite 20
von Silvia Stammen

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