Im Wohlfühlzauber
Warum nicht einmal etwas leicht machen? Wo ohnehin alles schon schwer genug ist. Ausgerechnet die Münchner Kammerspiele, die sich sonst gern aller kursierender Probleme annehmen, verheißen das, indem sie das Urdrama eines unauflöslichen Konflikts in sogenannte «Leichte Sprache» übertragen lassen, von einer Übersetzerin, die, welch ein Omen, auch noch den schönen Namen Anne Leichtfuß trägt! Sätze, so das einschlägige, 2006 etablierte Regelwerk, sollen kurz sein und möglichst nicht mehr als acht Wörter enthalten. Es gibt nur Hauptsätze.
Fremdwörter und Fachbegriffe werden erklärt. Ein Konzept, das in erster Linie der besseren Verständlichkeit von Gebrauchstexten dient. Behörden lassen ihre Informationen in Leichte Sprache übertragen, um Barrieren abzubauen für Menschen, die nicht gut Deutsch können oder kognitive Einschränkungen haben.
Einen literarischen Text künstlich zu vereinfachen, erscheint dagegen zunächst einmal, wie eine Schneise durch den Urwald zu schlagen – was bleibt da noch übrig!? Andererseits muss man, wo ohnehin übersetzt wird, vielleicht auch nicht zu pietätvoll sein. Herausgekommen ist im Fall von «Anti·gone» (so heißt sie nun, der Übersichtlichkeit halber mit ...
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Theater heute 4 2023
Rubrik: Aufführungen, Seite 20
von Silvia Stammen
Es ist ein Märchenwinter unter den Schweizer Jungdramatiker:innen. Schon wieder «Hänsel und Gretel»: Nach Kim de l’Horizons ökoqueerem Update in Bern, in dem Gretel sich als Klima-Greta outete, nimmt sich jetzt Alexander Stutz in St. Gallen den kannibalistischen Stoff vor, und seine Grethel, merkwürdigerweise mit h geschrieben, ist so ziemlich das Gegenteil der...
Thomas Köck hat einen titelgemäßen Rache-Feldzug zusammengestellt mit einer Handvoll Figuren, Zitaten, Geschichten, Arien – von der Bibel über Shakespeare bis zu Mozart und Händel –, Jan Philipp Gloger ihn im Nürnberger Schauspielhaus als Crossover-Produktion in Szene gesetzt. Dazu holte er sich vom Opernhaus nebenan etwa die Sopranistin Andromahi Raptis für eine...
Die Große Reichshalle ist das größte Gebäude auf Erden», jubiliert die Stadtführerin. In knackiger Uniform strahlt Ahmad Mesgarha auf der Bühne des Staatsschauspiels Dresden – «schöne Stadt, so unzerstört» – eine vollbusige Mischung aus Arroganz und Autorität aus: Höhe 290 Meter, Fassungsvermögen 180.000 Personen, «die Kuppel selbst misst einhundertvierzig Meter im...
