Im Sozialisationsdrama

Bonn Parks «They Them Okocha» wendet sich am Schauspiel Frankfurt an den Mann im Kind

Theater heute - Logo

Nach ungefähr siebzig Minuten – wir bewegen uns aufs letzte Drittel von Bonn Parks «They Them Okocha» in den Kammerspielen des Schauspiels Frankfurt zu – steht André Meyer allein auf der Bühne und beginnt zu tanzen. Er spielt Noah-Wilhelm, einen von vier Freunden, die sich in dieser Szene am unmittelbaren Übergang von der Spätpubertät zum Erwachsenenalter befinden, und hat seine Kumpels gerade in den furchteinflößenden «Blick in die Zukunft» hinein genötigt – eine Geisterbahn mit teufelskopfförmigem Eintrittsschlund, von der entsprechende Narrative im Umlauf sind.

Jetzt groovt sich Noah-Wilhelm, der diesen Geister-Schritt ins Großsein noch ein paar Augenblicke hinausgezögert hat, in eine leicht eckige, würdevoll tapsige Individualchoreografie ein, die ihn so sehr bei sich selbst wirken lässt, wie er es den ganzen Abend über noch nicht war und definitiv auch nie mehr sein wird: ein echter kleiner Menschheitsmoment.

Die Regieanweisung, die Bonn Park – gleichermaßen Autor wie Regisseur der Produk -tion – zu dieser Szene im Text notiert hat, lautet: «Noah-Wilhelm führt einen Tanz auf ganz allein. Er ist vieldeutig, und wir werden nicht schlau draus. Es könnte bedeuten, dass er böse ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juni 2024
Rubrik: Aufführungen, Seite 18
von Christine Wahl

Weitere Beiträge
Vom Rand ins Zentrum

Sehr viel haben sie sich vorgenommen – nichts weniger als eine komplett veränderte Definition dessen, was Theater sein kann und sein soll. Dafür aber muss das Theater, wie es ist, zerstört werden – zunächst als Raum: Weg mit den historischen Sälen und der Teilung von Bühne und Zuschauerraum, in Südamerika in der Regel orientiert am alten «Teatro Italiano»,...

Preise des Fortschritts

Ein Sarg. Und ein Grab. Zwei Orte der Begegnung mit den Eltern, zwei Orte der Erforschung ihrer Lebensgeschichten in und für Deutschland (wie so viele Berliner Theaterabende in dieser Saison deutsche Familienbilder zeichnen). Die Gräber sind offen, die Ahnen untot. Ihr Denken, Fühlen und Handeln hat die Nachgeborenen tief geprägt.

Es sind zwei Theaterabende im...

Eklatante Stadt/Land-Spaltung!

Theater heute Herr Tschirner, haben Sie die Übergriffe auf Politiker der SPD und Grünen in Dresden Anfang Mai überrascht? 
Christian Tschirner Nein, nicht wirklich. Die Atmosphäre ist sehr aufgeladen. 

TH Eine aufgeladene Atmosphäre muss ja nicht dazu führen, dass man jemanden zusammenschlägt. Man kann sich auch anders streiten. 
Tschirner Natürlich. Aber die...