Im rechten Spektrum

In Dresden erweitern Volker Lösch und Lothar Kittstein Bertolt Brechts unverwüstliche «Dreigroschenoper», und Thomas Freyer findet in «Ajax» männliche Gewaltmuster

Theater heute - Logo

Wenn Jonathan Peachum und seine Frau in Dresden gleich zu Beginn der «Dreigroschenoper» den armen Filch in die Mangel nehmen und grün bis blau prügeln, geht es nicht ums Bettlergewerbe. Filch hat sich nämlich nicht mit leidvoll ausgestreckter Hand in einen vom Londoner Bettlerkönig kontrollierten Bezirk geschlichen, um ein paar Pennys abzugreifen. Er hat sich stattdessen von einer örtlichen Montagsdemonstration zu einer Wutrede hinreißen lassen, die die Demonstranten wiederum so aufgepeitscht hat, dass sie «eine Pizzeria in Schutt und Asche gelegt haben».

Das kann Peachum aber auf keinen Fall zulassen, schließlich ist er Spitzenkandidat der PfD (Perspektive für Deutschland) bei der nächsten Landtagswahl und hat alle einschlägigen Demos zusammen mit seiner Frau sorgfältig selbst organisiert, sozusagen Wahlkampftaktik. Aber Grundregel: keine Gewalt! Man will schließlich staatstragend erscheinen.

Die Dresdner «Dreigroschenoper» mit dem länglichen Untertitel «in einer Bearbeitung des Staatsschauspiels Dresden mit zusätzlichen Texten von Lothar Kittstein» ist eine längst überfällige Zäsur. Zum ersten Mal haben sich die Brecht-Erben, in diesem Fall Brecht-Enkelin Johanna Schall, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Dezember 2023
Rubrik: Aufführungen, Seite 17
von Franz Wille

Weitere Beiträge
Familie und Gewalt

Guten Abend, willkommen, der Herbst: Rentrée!, wir springen gleich rein, head on, ins Thema: Familie und Gewalt

I THEMA
BARACKE, Familie und Gewalt, das ist das zentrale Thema dieses Stücks, ganz simpel und klar. Es zieht mich immer hin zu großen, einfachen Themen, die etwas Banales, fast Archaisches haben, RAVE: das Feiern, IRRE: der Wahnsinn, ABFALL für alle: das...

Volle Kanne Frauenpower

«Trau keinen Männern! Falsch sind sie alle!» Das musste Anna Bergmann nicht hineinschreiben in ihre Neuinszenierung von «Romeo und Julia». Denn es steht schon bei Shakespeare. Julias Amme sagt es, in ihrer Totenklage um Julias Vetter Tybalt. Aber es bleibt leider aktuell, wie etwa das Stück «Montag» zeigt. Dort verstecken sich Faith und Novella in einer...

Gespenster der Unterdrückung

Im späten Sommer dieses Jahres prangte auf den Straßen von Berlin etwas Verstörendes: «Asynchrones / verknotetes / unübersichtliches Deutsches Theater» las man auf den Plakaten, die den Start ebendieses Deutschen Theaters unter Neu-Intendantin Iris Laufenberg ankündigten. Eine ungewöhnlich sperrige Form der Einladung. Wer sich nicht abschrecken ließ, fand beim...