Gespenster der Unterdrückung

Der Neustart am Deutschen Theater unter Iris Laufenberg ruckelt, aber es gibt auch Treffer wie Rainald Goetz «Baracke» oder «Der Auftrag/Psyche 17» von Heiner Müller und Elemawusi Agbédjidji

Theater heute - Logo

Im späten Sommer dieses Jahres prangte auf den Straßen von Berlin etwas Verstörendes: «Asynchrones / verknotetes / unübersichtliches Deutsches Theater» las man auf den Plakaten, die den Start ebendieses Deutschen Theaters unter Neu-Intendantin Iris Laufenberg ankündigten. Eine ungewöhnlich sperrige Form der Einladung.

Wer sich nicht abschrecken ließ, fand beim weiteren Stöbern heraus, dass dieser und ähnliche Slogans einer eigenwilligen partizipativen Kampagne entstammten: Mit einem «DT-O-Mat» hatte eine Agentur die Besucher der Theater-Website aufgefordert, wahlfrei drei Begriffe, die man mit dem Haus verbinde, in ein Formular einzugeben. Und einige dieser Kombinationen wurden offenbar ohne Rücksicht auf Verluste plakatiert.

Auf diese etwas unübersichtliche Werbung folgte wenig später ein reichlich verknoteter Saisonauftakt auf der großen Bühne des Hauses, in knapp vier Stunden Spieldauer: «Weltall Erde Mensch» ist eine freie Stückentwicklung von Alexander Eisenach und Ensemble. Dass auch hier drei asyndetisch aufgereihte Begriffe verfangen sollen, dürfte Zufall sein. Der Titel ist von dem gleichnamigen Sachbuchklassiker inspiriert, den DDR-Schüler:innen bis in die 1970er Jahre ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Dezember 2023
Rubrik: Aufführungen, Seite 6
von Christian Rakow

Weitere Beiträge
Kurzer Weg in die Finsternis

Wenn ein israelischer Regisseur in diesem Herbst ein Stück über zwei verfeindete Bruderstaaten inszeniert, muss er sich schon anstrengen, damit das Publikum darin nicht bloß die offensichtliche Nahostkriegsparabel sieht. Yair Sherman hat sich für Freiburg angestrengt.

Der Terrorüberfall der Hamas vom 7. Oktober erwischte den 39-Jährigen zwei Wochen vor der...

Der Trip in die Kugel

Schafe, alles Schafe», denkt Peter Bender oft in einer Art aufgebrachtem Mitleid, wenn er im Worms der 1920er Jahre die anderen Menschen an sich vorbeieilen sieht. Ihnen allen, diesen bedauernswerten Geschöpfen, fehlt nicht nur jede tiefere Einsicht in die Materie, sondern sie unternehmen auch keinerlei Anstrengung, zu selbiger zu gelangen! Für die träge...

Über Leben

Sepp Bierbichler, einer der ganz großen schreibenden Schauspieler (ja, bisher waren das fast nur Männer, die ihre Biografie autofiktional in Bücher, oft Bestseller verwandelten), hat das der Kollegin Valery Tscheplanowa schon vor drei Jahren zugetraut. In einem Nachwort zum Gesprächsband «Backstage Tscheplanowa» schrieb er: «Wird sie sich endlich Zeit nehmen fürs...