Im posthistorischen Frottee
Der steirische Schriftsteller Peter Rosegger (1843–1918) war zu Lebzeiten ein internationaler Bestsellerautor und Nobelpreiskandidat. In der Steiermark ist er ein literarisches Nationalheiligtum, bis heute wird seine das Landleben verklärende Prosa («Als ich noch der Waldbauernbub war») touristisch vermarktet. Inwiefern Rosegger, dessen Texte auch vom Nationalsozialismus geschätzt wurden, ein ideologisch bedenklicher Autor war, ist umstritten.
Als Symbolfigur für den Umgang mit Heimat bietet sich Rosegger jedenfalls an – weshalb das Schauspielhaus Graz beim oberösterreichischen Dramatiker Thomas Arzt, 33, ein Stück zum Thema in Auftrag gegeben hat.
Arzt, der sich schon in früheren Werken («Grillenparz», «Alpenvorland») mit dem Heimatbegriff beschäftigt hat, setzt dem Dichter in «Die Neigung des Peter Rosegger» buchstäblich ein Denkmal: Das Stück spielt in der Gegenwart einer steirischen Kleinstadt, der Titelheld tritt nur in Form eines Monuments auf. Das allerdings ist verantwortlich für den dramatischen Konflikt des Stücks: Ausgerechnet wenige Tage vor dem Besuch einer Unesco-Delegation, die das Städtchen zum Weltkulturerbe erklären soll, ist das ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Januar 2017
Rubrik: Aufführungen, Seite 27
von Wolfgang Kralicek
Bereits im Mai letzten Jahres schuf das polnische Außenministerium eine neue Grundlage für seine Kulturdiplomatie im Dienste von «Recht und Gerechtigkeit»: Die Botschaften, Konsulate und weltweit 24 Kulturinstitute sollten sich zukünftig «dem Erbe des politischen Denkens Lech Kaczynskis» verpflichten. Auf den ersten (ausländischen) Blick mag das als recht ...
Sie sind gekommen, um «Tschüss» zu sagen. Nach fünf Jahren an der Volksbühne, nach fünf Jahren Festspielen mit der vielköpfigen Fritsch-Familie, die ein großer bunter Wanderzirkus ist: feinste Lachmuskelartisten, die Herbert Fritsch über die Zeit an zig Stadttheatern aufgetan hat. Jetzt treten sie noch einmal zur Rampe vor, einzeln, hundert letzte Minuten...
Als Intro zu Oliver Frljics «Requiem für Europa» tritt der Schauspieler Sebastian Pass in einer Art Horrorclownkostüm an die Rampe des Staatsschauspiels Dresden. Er sei neu im Ensemble und habe «ein Gastgeschenk» mitgebracht, säuselt er mit einem Suggestiv-Tremolo ins Parkett, als hätte er den Job des Sandmannes übernommen. Es handele sich um einen Wunsch....
