Im Osten was Neues
In der DDR gab’s kein 68 – diese Feststellung fehlt in keiner Ost-West-Debatte. Während die westdeutsche Studentenbewegung die vollständige Entnazifizierung der Bundesrepublik forderte, neue Familien- und Arbeitsstrukturen erprobte, wurden in der DDR zaghafte Proteste gegen den Einmarsch sowjetischer Truppen in Prag sofort unterdrückt.
Und doch reflektierte auch das sozialistische Deutschland seine jüngste Vergangenheit, etwa in der fünfteiligen Fernsehserie «Wege übers Land» nach einem «dramatischen Fernsehroman» von Helmut Sakowski, die seit September 1968 vor fast 8 Millionen Zuschauer ausgestrahlt wurde. Sie spielt im fiktiven mecklenburgischen Dorf Rakowen, das 1939 noch Gräfinnen, Großbauern und Knechte, kurz: feudale Strukturen kannte. Im Zentrum steht die fleißige Bauernmagd Gertrud Habersaat (Ursula Karusseit), die als junge Geliebte des Großbauern Jürgen Leßtorff (Armin Müller-Stahl) ihrer Herkunft aus ärmlichsten Verhältnissen zu entkommen hofft; am Ende wird die alleinerziehende Mutter dreier angenommener Kinder 1953 zur LPG-Vorsitzenden von Rakowen gewählt. Auch ihr späterer Mann, der Arbeiter und Sozialist Willi Heyer (Manfred Krug), der von den Nazis mit KZ und ...
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Theater heute August-September 2025
Rubrik: Aufführungen, Seite 23
von Eva Behrendt
Von Wien nach Hamburg. Als Joachim Lux 2009 aus der österreichischen Hauptstadt in die Hansestadt zog, muss das ein Kulturschock gewesen sein. In Wien würde man Theater leben, erzählte der heute 67-Jährige damals, jeder Taxifahrer wisse, welches Stück am Burgtheater gerade Premiere habe. In Hamburg dagegen – naja. Und heute? Im Sommer 2025 beendet Lux 16 Jahre...
Mangelnden Einsatz kann man Milo Rau nicht vorwerfen.
Auch in seinem zweiten Jahr als Intendant der Wiener Festwochen war der Schweizer Regisseur omnipräsent. Er brachte zwei Inszenierungen und eine Leseaufführung zur Premiere und war auch an einer Diskursreihe federführend beteiligt. Damit nicht genug: Rau versteht es wie kein Intendant vor ihm, die Festwochen...
Wofür soll man kämpfen in dem bisschen Leben, das uns vergönnt ist? Kann, darf man unpolitisch bleiben? Der Konflikt zwischen politischem Engagement und privatem Lebensglück entfacht neu in Zeiten, in denen Deutschlands «Kriegstüchtigkeit» öffentlich gefordert wird. Sie trieb auch Brecht zeitlebens um. Historische Folie von «Trommeln in der Nacht», das seinen Ruhm...
