Kein Privatleben
Wofür soll man kämpfen in dem bisschen Leben, das uns vergönnt ist? Kann, darf man unpolitisch bleiben? Der Konflikt zwischen politischem Engagement und privatem Lebensglück entfacht neu in Zeiten, in denen Deutschlands «Kriegstüchtigkeit» öffentlich gefordert wird. Sie trieb auch Brecht zeitlebens um. Historische Folie von «Trommeln in der Nacht», das seinen Ruhm begründete, ist der Spartakus-Aufstand vom Januar 1919, bei dem kommunistische Aktivisten in Berlin kurzzeitig eine Räterepublik errichteten. Nach einer Woche wurden sie brutal vom Freikorps niedergeschlagen.
In Bochum scheint der Konflikt aber zunächst noch niemanden zu erreichen. Kraglers Braut Anna, die eigentlich trauernd auf ihren Verlobten wartet, erscheint nicht ganz von dieser Welt. Linde Dercon, Nachwuchstalent aus den Niederlanden, spielt Anna intensiv und doch abgekoppelt von der Welt. Sie macht seltsame Verrenkungen, lacht unmotiviert, streckt die Zunge heraus wie ein wildes Tier auf dem Sprung. Ist es, weil Brecht ihr keine echte Stimme gab – und erst die Autorin Seyda Kurt Anna zum Leben erweckt? «Ich ich ich rede jetzt. Was bin ich? Bin ich ein Mensch?», ruft sie ins Pu -blikum, analysiert ihre umfassende ...
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Theater heute August-September 2025
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Dorothea Marcus
Unsere Hoffnung gründet sich auf das Sportpublikum», bekennt Bertolt Brecht 1926 in seiner Schrift «Über den Untergang des alten Theaters». «Unser Auge schielt, verbergen wir es nicht, nach diesen ungeheuren Zementtöpfen, gefüllt mit 15.000 Menschen aller Klassen und Gesichtsschnitte, dem klügsten und fairsten Publikum der Welt.»
Vielleicht hatten die Kurator:innen...
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Er ist so etwas wie der Schutzheilige bajuwarischer Widerständigkeit, ein «ohdrahter Hund», was so viel wie ausgekochtes Schlitzohr bedeutet oder freundlicher: ein freigeistiger Grantler. Hat doch der Brandner Kaspar den Tod – im Bayerischen der Boan(d)lkramer – erst mit einer Flasche Kirschgeist zum Trinken verführt, um ihm darauf beim Kartenspiel ein paar...
