Wenn sich das Unsagbare verplappert
Der Frosch wartet auf eine Verabredung zum Quatschen. Der Eisbär kocht, und das Zebra denkt über die Innendekoration nach. Man könnte mal wieder streichen, «vielleicht in Gelb? Mal was anderes». Eine kleine Auffrischung würde dem Zimmerchen tatsächlich guttun mit seinem gerade so nicht mehr coolen, angebräunten 1950er Look samt Furnierholz und Pannesamtsofa. Während die Tiere in dieser Holzbox herumhängen, die sich nach zwei Seiten dem Publikum öffnet, nimmt eine kleine Klaviermelodie enthusiastisch Anlauf.
Doch ihr fröhlicher Auftakt wird eingeholt von einem E-Bass und verläuft sich im Ungefähren, im immergleichen Klimperloop. So dreht die Musik ihre Runden, und vier Gestalten mit Tiermasken gehen gedankenversunken ihren Alltagstätigkeiten nach, jede in ihrer Bl, Bll – aber nein, voll ausgesprochen wird das Wort «Blase» hier nicht. Aber wer sind die denn überhaupt? Und wo sind wir?
Die Regisseurinnen Susanne Zaun und Marion Schneider haben, das ist gewiss, ein neues Stück auf die Bühne des Frankfurter Künstlerhauses Mousonturm gebracht, «It’s not over until the fat lady sings oder Der Chor im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit». Gemeinsam mit zwei Chören aus jeweils ...
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Theater heute April 2018
Rubrik: Akteure, Seite 41
von Esther Boldt
Es ist eine sympathische Geste der Residenztheaterleitung, für diejenigen, die sich von den zeitgeist-geschliffenen well-made Plays im Spielplan nicht so recht angesprochen fühlen, eine gegenläufige Programmseitenlinie zu verfolgen, die mit offenem Blick von außen und ganz unterschiedlichen, häufig osteuropäischen Regiehandschriften eigene Akzente setzt und dabei...
Übertriebene Sentimentalität kann man der Großmutter, bei der die Zwillinge aus Agota Kristofs Roman «Das große Heft» die Kriegsjahre überdauern, wahrlich nicht vorwerfen. Die Alte – im Ort schlicht «die Hexe» genannt – pflegt grausame Lebenseinsichten grundsätzlich unter genüsslichem Hohngelächter zu äußern, je nach Anlass gern auch mit begleitendem...
Die U-Bahn ist der neue Underground. Jedenfalls in den jüngsten Bühnenbildern des serbischen Szenografen Aleksandar Denic, der Frank Castorf schon für sein Jahrhunderte überspannendes «Faust»-Paris den Eingang der Metrostation «Stalingrad» nachgebaut hat. Diesmal geht es auf der Bühne des Hamburger Schauspielhauses unterhalb eines riesigen «Camel»-Billboards in...
