Im Feld der Verhandlung

In Berlin hat ein Viertel der Bevölkerung «Migrationshintergrund». Im Theater sah man sie bislang seltener, sowohl auf der Bühne als auch im Zuschauerraum. Das ändert sich gerade. Die Neuköllner Oper und das Ballhaus Naunynstraße machen Theater über und mit Einwanderern der zweiten und dritten Generation, die die Opferrolle leid sind. Ein Gespräch mit Shermin Langhoff, Jens Hillje und Bernhard Glocksin über Sinn und Unsinn von Multikulti, ein neues deutsches Selbstverständnis, Selbstermächtigung und die vermittelnde Kraft von Musik

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Theater heuteWorüber wir heute reden wollen, ist gar nicht so leicht zu fassen, denn man begibt sich schon mit dem Sprachgebrauch auf vermintes Gelände. Vorsichtig formuliert haben wir es mit Integrationspolitik zu tun (demonstratives Räuspern von Shermin Langhoff). Die damit verbundene Debatte lässt sich vereinfacht auf drei Positionen herunterbrechen. Die erste ist das sogenannte «Multikulti»-Konzept: Jede Kultur sorgt selbst für ihre Werte und Normen, und wenn es zwischen den Kulturen Ärger gibt, regelt den das Strafgesetzbuch.

Die extreme Gegenposition ist die der sogenannten deutschen Leitkultur, die vorgibt, was richtig ist, und nach der sich alle anderen zu richten haben. Und dazwischen gibt es eine Position der Vermittlung, in der die verschiedenen Kulturen einen universalistischen, für alle geltenden Verhaltens-Bereich aushandeln, der von Sprache bis Kopftuch einschließlich Menschenrechte Unterschiedliches umfassen kann, während den Rest wieder die Einzelkulturen jeweils für sich definieren. Um zu Beginn etwas Übersicht zu schaffen: Welcher Position würden Sie sich jeweils zuordnen?

Shermin LanghoffDie Schwierigkeit, sich da zu positionieren, fängt schon mal damit an, dass ...

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Theater heute Januar 2011
Rubrik: STARTS/AUFFÜHRUNGEN, Seite 9
von Franz Wille, Barbara Burkhard, Eva Behrendt

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