Im Angesicht des Nichts
Die selbstverständlich selbstreflexive Dekonstruktionsfreudigkeit der performativen Künste, in deren Anfänge Handkes «Publikumsbeschimpfung» einmal gehört haben mag, schlägt noch immer die allerkühnsten Kapriolen. René Pollesch zum Beispiel, das ist Metacomedy
für Intellektuelle, die schon alles wissen! Peter Handkes Klassiker von ’68 dagegen ist inzwischen tief in seinen frühstudentischen Sorgen und Manierismen eingemauert. Laurent
Chétouane unternimmt dennoch einen Befreiungsversuch.
Drei Frauen und ein Mann bewegen sich da in wechselnden Kostümierungen (der Mann bald in Frauenkleidern) in einem Bühnenbild, das aus ein paar Gerüststangen, einem Tisch, Stühlen und einem Podest mit Hamlet-Totenschädel besteht, und reden dazu sorgfältig Handkes fossile Sätze aus einer Theorie der theatralen Auflösung und Umkehrung. Sie reden auch darüber, dass das Publikum nun selbst zum ornamentalen Massenschauspiel wird (Handke hat damals seinen Kracauer gewiss gründlich gelesen) und somit auch zur sich einlullen lassenden und ergo mitlaufenden Masse. Sie machen uns ebenfalls klar, dass wir uns hier fernab von jeder Fiktion befinden, von jeder erzählerischen, zeitlichen und räumlichen, dass also ...
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Theater heute Februar 2011
Rubrik: Chronik, Seite 52
von Simone Meier
Der Schauspieler Wolf Redl, geboren 1939 im pommerschen Stargard, war jahrzehntelang immer dort, wo es wichtig wurde. Er spielte 1968 Peter Handkes «Kaspar» in Claus Peymanns Inszenierung am Frankfurter Theater am Turm, wechselte dann ans Münchner Residenztheater, wo er in Hans Lietzaus Heiner-Müller-Uraufführung den Philoktet gab, spielte 1970 unter Intendant...
Selbst sehr alte Hasen kommen aus dem Staunen nicht heraus. Und die Theatermacher selber wähnen sich schon mittendrin im «milagre», im «Wunder» von Sao Paulo – das «Teatro Oficina», die freie Gruppe um den charismatischen Regisseur Zé Celso Martinez Corréa, in Deutschland bekannt seit den Gastspielen 2004 bei den Ruhrfestspielen in Recklinghausen und 2005 in der...
Was also tun? Theater spielen! Für diese Antwort hat sich die Regisseurin Claudia Bosse entschieden, die in Wien ihr «theatercombinat» mit wechselnden Besetzungen betreibt; ihre jüngste Produktion mit dem Titel «Vampires of the 21st Century oder Was also tun?» wurde
am FFT in Düsseldorf erarbeitet. Es geht um Liebe (bzw. Beziehungen), um parlamentarische...
