We are family
Im Programmheft zu Sibylle Bergs neuestem Beitrag zur Zersetzung bürgerlicher Fassaden bemüht die Bonner Dramaturgie den wertekonservativen Verfassungsrichter Udo di Fabio als entschlossene Gegenstimme: «Die Familie», behauptet er eisern, «ist eine Lebensform des Menschen, ein sozialer Raum der Nähe, von dem aus der Zivilisationsprozess immer wieder erneut seinen Ausgangspunkt nimmt.» Folgt man den beiden Premieren, mit denen das von Kürzungsattacken heimgesuchte Schauspiel Bonn in die Adventszeit startete, besteht begrenzte Hoffnung für diesen Zivilisationsprozess.
Die Familie ist die Keimzelle aller Katastrophen, scheinen Sibylle Berg und Andrew Bovell beweisen zu wollen, der soziale Raum, den sie beschreiben, ist erfüllt von bösartigen Schmähungen (Berg) oder abgründigem Verschweigen (Bovell).
Generationenkonflikt zum Fest
In den Kammerspielen in Bad Godesberg, gleich neben dem Weihnachtsmarkt, verzichtet Bühnenbildner Andreas Freichels fast bis zum Schluss konsequent auf jedes Weihnachtsdekor. Sechs überdimensionierte Halbkreise trudeln in immer neuen Formationen über die schwarze Bühne, verfehlen sich meistens, schließen sich selten zum harmonischen Rund. Sie sind aus ...
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Theater heute Februar 2011
Rubrik: Aufführungen, Seite 24
von Barbara Burckhardt
Ist die globale Streitkultur mittlerweile in der Dekadenzepoche der Argumente angekommen? Jeder Manager spricht heute über die Verantwortung der Konzerne, Aktivisten erkennen an, dass Sweatshops nicht nur Ausbeutung sind, sondern auch Entwicklung fördern. Konsens ist ausdrücklich erwünscht, sanfte Maßnahmen werden bevorzugt, Standpunkte sind verhandelbar. Das...
Der Schauspieler Wolf Redl, geboren 1939 im pommerschen Stargard, war jahrzehntelang immer dort, wo es wichtig wurde. Er spielte 1968 Peter Handkes «Kaspar» in Claus Peymanns Inszenierung am Frankfurter Theater am Turm, wechselte dann ans Münchner Residenztheater, wo er in Hans Lietzaus Heiner-Müller-Uraufführung den Philoktet gab, spielte 1970 unter Intendant...
Es ist ein Gipfeltreffen besonderer Art, das der Audio-Verlag zur Feier des 80. Geburtstags des 1989 verstorbenen österreichischen Dichters und Dramatikers Thomas Bernhard am 9. Februar ausgerichtet hat. Fünf Großschauspieler – quasi die drei Tenöre des Sprechtheaters – stellen sich aus gegebenem Anlass seinen fünf autobiografischen Erzählungen und treten so in...
