Hoffnung auf Heilung
Man könnte sich fragen, was es das Publikum interessiert, ob ein Schauspieler eine Vorhaut hat oder nicht – Karsten sagt, er habe eine, Loai dagegen ist beschnitten, und Ayelet hat in ihrem Leben noch nie eine Vorhaut gesehen oder berührt. Man kann mit dieser unverhofft delikaten Information aber auch einen clever entwaffnenden Auftakt inszenieren. Das verklemmte Verhältnis, kulturelle Differenzen und der ganz persönliche Blick darauf oder darunter, das alles steckt schon in dem kleinen biografischen Intro.
Yael Ronens Inszenierung lebt vom schnellen Kontrast aus Selbstreflexion und Selbstironie. «3G» prangt auf den roten T-Shirts der Schauspieler. Ein internationales Label: nicht für die neueste iPhone-Software, sondern für die geschichtliche Codebase, die die jungen Menschen verbindet als «Dritte Generation». Sie stammen aus Deutschland, Israel und Palästina und haben unter Ronens Anleitung mehrere Monate in einem «Work in Progress» private Wurzeln und politische Standpunkte diskutiert: Holocaust und Verantwortung, Siedlungsbau und Schuld, Vorbehalte, Vorurteile.
Statt wohltemperiertem Gutmenschentheater ist daraus ein rougher, tougher, ja in seiner Kraft, Klugheit und ...
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Jetzt geht die Party richtig los. Tisch 2 rechts vorn dreht ab. Bis jetzt war ja die reifere Dame mit dem charmant nach Ungarn, vielleicht auch nach Baltikum klingenden Akzent vor allem eine treue Helferin für den Künstler, der da zwischen den Tischen im kleinen Festsaal gerade zwei Halbzeiten lang eine der haltbarsten Ikonen nachkriegsdeutscher Humor-Geschichte...
Wenn man Stücke trinken könnte, dann hätte ich gerne eine Flasche vom Kirschgarten»: Tilmann Köhlers «Liebeserklärung an den Kirschgarten» kann man auf der Website des Dresdner Staatsschauspiels nachlesen, wo der junge Hausregisseur jetzt seinen ersten Tschechow inszeniert. Altmeister Wolfgang Engel hat sich indessen nach Weimar begeben, wo er den Verschwörungen in...
Dea Lohers Territorium ist das Leben der beladenen Menschen, die manchmal dann doch einen gewissen Witz ihr eigen nennen. Frau Zucker ist so eine. Ihr Bein fault allmählich, trotzdem kommt immer mal wieder dieses lakonische «Wäre ich Tankwart, genügte eine Zigarette». Oder die illegalen schwarzen Immigranten Elisio und Fadoul, die am Strand so lange über eine...
