Bilanz auf Schloss Bladenhorst

Was passiert eigentlich, wenn sich Theatertreffen-Juror Stefan Keim in Heinz Erhardt verwandelt?

Theater heute - Logo

Jetzt geht die Party richtig los. Tisch 2 rechts vorn dreht ab. Bis jetzt war ja die reifere Dame mit dem charmant nach Ungarn, vielleicht auch nach Baltikum klingenden Akzent vor allem eine treue Helferin für den Künstler, der da zwischen den Tischen im kleinen Festsaal gerade zwei Halbzeiten lang eine der haltbarsten Ikonen nachkriegsdeutscher Humor-Geschichte beschwor. Sie spielte immer brav mit, wenn er beharrlich das Publikum animierte, und lieferte ihm von Zeit zu Zeit sogar richtig gute Stichworte.


 

Aber jetzt sieht’s bedrohlich danach aus (und hört sich noch bedrohlicher danach an!), als wolle sie gleich selber die Show übernehmen. Und selbst der Komödiant beginnt zu spüren, dass es Geister gibt, die sich nicht ungestraft und nur zum Spaß auf’s Spielfeld rufen lassen – und dass, wer sich auch auf die Untiefen des deutschen Humors einzulassen wagt, nicht ohne Risiken, Nebenwirkungen und Kollateralschäden davonkommt. Da läutet Stefan Keim dann doch besser zur Schlussrunde, hängt noch eineinhalb Zugaben ans Programm – und sorgt sich dar­um, dass die extrem amüsierwillige Kundin nach dem letzten Glas auch den richtigen Weg nach Hause findet.


Kaffeeverkostung und Kultur

Zu Hause ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Mai 2010
Rubrik: Best of... Theatertreffen, Seite 26
von Michael Laages

Vergriffen
Weitere Beiträge
Im Geschlechtertaumel

Wo liegt Illyrien? Schon für Shakespeare ist’s ein Fantasieland, das «Elysium» so mächtig anklingen lässt wie «Illusion»; schon in der klassischen Mythologie ein Terrain schräg neben dem Bekannten: oberhalb Griechenlands an der adriatischen Küste, zwischen Dalmatien und Traum. Illyrien ist Spiegelland. Für die Zürcher Aufführung hat Penelope Wehrli eine bewegliche...

Buhlen um die Araber

Wenn man im Charterbus durch Oberhausen kutschiert wird, sieht es auf den ersten Blick gar nicht so übel aus. Das hell erleuchtete «Centro» (ob «Tschentro» oder «Kentro», darüber streiten die Einheimischen noch) soll die größte Shoppingmall Europas sein, und gleich daneben lockt das «Metronomtheater» mit dem Erfolgsmusical «Wicked». Einst stand hier die mächtige...

Der letzte Stern der Müden

Was für eine seltsame, singuläre Karriere, die sich da zwischen den Theatern von Kassel oder Oberhausen, Berlin und Hamburg, den Opern von Amsterdam oder Paris und Filmretrospektiven in Locarno, Rom und New York bewegt hat! 
 

Werner Schroeter war von Beginn an und blieb bis zuletzt ein Sonderfall – als Filmemacher des deutschen Autorenkinos, als Bühnenregisseur des...