(Hör-)Bücher für den Weihnachtstisch
Zum gerade gefeierten 70. Geburtstag hat ihm seine Frau eine Reise auf den Spuren der Kindheit geschenkt. Bevor Gert Voss aber zu Schiff ins Chinesische Meer stach, hat Ursula Voss nach den auf Band gesprochenen Lebenserzählungen ihres Schauspielermannes ein Buch in seinem Namen geschrieben: «Ich bin kein Papagei», Untertitel «Eine Theaterreise». Und natürlich meint das auch eine Lebensreise. Deren spätere Stationen sind beispielsweise «Das Bernhard-Land» oder «Der Kontinent Shakespeare».
Da geht die Fahrt hinein ins Innenleben des Theatermachers, ins Nachträumen und Wachrufen der Titelrollen etwa in «Ritter, Dene, Voss» oder als Richard III., Macbeth und Othello. Das ist, es spielt (und spricht) der Topstar der Szene, naturgemäß: Theatergeschichte.
Doch manchmal ist angesichts der hier unvermeidlichen Highlights und der im Milieu und Metier unbedingt zugehörigen Katastrophen, Kräche und Kulissenkämpfe die Vorgeschichte fast noch spannender. Am schönsten erzählt Gert Voss nämlich, wie alles begann. Es ist die Geschichte eines Jungen, der 1941 in Shanghai geboren wird, als Sohn einer seit langem in China ansässigen deutschen Kaufmannsfamilie. Shanghai war damals eine ...
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Theater heute Dezember 2011
Rubrik: MAGAZIN, Seite 59
von Peter von Becker
Das stärkste Bild hat Karin Henkel an den Anfang gesetzt: Nebel, der alles überdeckt. Nur schemenhaft erkennt man darin Menschen und Raumumrisse. Unschärfe als Gebot der Stunde? Von bürgerlichem Realismus ist wenig zu merken, stattdessen hat Henkel ihre Inszenierung irgendwo zwischen expressionistischem Stummfilm und Film noir angesiedelt. Dazu gibt es einen...
Eine Herbstreise durch die Romane inszenierende Theaterlandschaft könnte endlos dauern. Tatsächlich ist ja, seit Frank Castorf irgendwann Mitte der 1990er Jahre anfing, schwere Russen-Romane oder feuilletonistische Zeitgeistergüsse in exaltierte Bühnenwelten zu verwandeln, aus dem interessanten Sonder- ein dramaturgischer Normalfall geworden. Ein Paradox befeuert...
Stellen Sie sich vor, das Theater und die Erde wären kleine Punkte auf einem Luftballon in der Hand einer quietschfrechen Göre. Ballon platzt, Mädchen kreischt – der Weltuntergang wäre eine göttliche Wonne. Mit dieser Pointe beginnt die Regieassistentin Antje Schupp den «Großen Marsch». Das ist bemerkenswert frisch. Erstens, weil der im Schwarzwald aufgewachsene...
