Hamster in der Box

Kathrin Röggla «die unvermeidlichen»

Theater heute - Logo

Eine «Wohlfühlkonferenz über allgemeine Zukunftsfragen» könnte es werden. Zuerst einmal geht es für die Dolmetschhamster in ihren schallisolierten Zellen allerdings darum, ob die Räuspertaste funktioniert und die Chinesen vielleicht doch noch kommen. Sie kommen dann natürlich nicht, die Chinesen, dafür erscheint einer der Minister und gibt dem Kollegen aus Spanien endlich Gelegenheit, den Simultantorero auszupacken. Er darf mit zu einem der streng geheimen Hintergrundgespräche, bei denen genau so wenig rumkommt wie vorne an der Konferenzfront.

Dass er dennoch mit stolzgeblähter Brust auf dolmetschende Newcomer herabblickt, gehört genau zum Repertoire einer Zunft, die sich mit Journalisten natürlich auf keinen Fall einlassen darf. Schließlich ist man Geheimnisträger.

Kathrin Röggla recherchiert nicht nur journalistisch akribisch, sie interessiert sich auch für den dramatischen Faktor «Mensch». Das ist auch im Fall von «die unvermeidlichen» so, obwohl Simultandolmetscher ja eigentlich «nur» dem Sprechtempo eines Redners folgen sollen. Interessanterweise hat Marcus Lobbes sich jedoch weniger auf den emotionalen Untergrund des Röggla-Textes eingelassen, sondern die in der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute April 2011
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Jürgen Berger

Weitere Beiträge
Aufführungen

Und es existiert doch, das Nachspiel. Das Deutsche Theater ist sich nicht zu fein, Nis-Momme Stockmanns in Frankfurt uraufgeführtes Vater-Sohn-Drama «Die Hässlichen und die Brutalen» David Bösch anzuvertrauen. Noch tiefer gräbt Stephan Kimmig am DT, der Judith Herzbergs Stücke «Leas Hochzeit» (1982), «Heftgarn» (1995) und «Simon» (2002) zu einer jüdischen...

Adaption und Harvarie

Zwei unterschiedlichere Stoffe und Herangehensweisen sind kaum vorstellbar. Hier die Geschichte der Sibel Kekilli, die mit «Gegen die Wand» zur Schauspielerin und in Fatih Akins Kino der großen Gefühle zu einer Ikone für alle Deutsch-Türkinnen wurde, für die ein Aus-
brechen aus dem familiären Feld der Ehre bittere Folgen haben kann. Und dort Nis-Momme Stockmanns...

Handgreifliche Debatte

Heutigen Abiturienten das Paradebeispiel der deutschen Klassik, Goethes «Iphigenie», nahezubringen, ist gewiss kein leichtes Unterfangen. Denn die mythische Vorzeit durch das Menschenbild der Weimarer Klassik betrachtet, fördert viel Erhabenes, aber auch allerhand Blutleeres zutage – Ideen statt Individuen, gedrechselte Sätze und prüde Litanei. Der frisch vom...