Hamburg: Hippies im Ural
Das Woodstock-Musikfestival vom August 1969 ist schwer zu fassen, zumal für einen Nachgeborenen. Hippie-Feier, Manifestation der US-Gegenkultur, Protest gegen den Vietnamkrieg, schon klar: «An Aquarius Exhibition – Three Days of Peace and Music».
Aber Woodstock ist eben auch die Keimzelle einer durchkommerzialisierten Entertainment-Industrie, die in die Abgründe von Nachfolgefestivals führte, bis zum «Woodstock III»-Nachfolger 1999 als Ausdruck der maskulinistischen Fratboy-Kultur, inklusive einer Vergewaltigung direkt vor der Bühne und einem Auftritt des späteren Donald-Trump-Unterstützers Kid Rock.
Auch die russische Theatermacherin Marina Davydova war vor 50 Jahren noch nicht im Festivalalter, entsprechend verweigert sie für ihre Kooperation zwischen Hamburger Thalia Theater, National Drama Theater Vilnius und Gogol Center Moskau eine klare Positionierung zu Woodstock und kreiert stattdessen eine abstruse Situation: In Moskau wird auf Anweisung Wladimir Putins ein Hippie-Museum namens «Checkpoint Woodstock» eröffnet. Ein Kellner (Girish Kumar Rachappa) serviert Drinks, ein Pianist (Vladimir Rannev) klimpert «Yesterday», ein Soldat (Jarryd Haynes) patrouilliert. Und ...
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Theater heute August/September 2019
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Falk Schreiber
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