Nachruf: Lesen, denken, schreiben
Die Wahrheit zählt zu den schönsten Erfindungen der Menschen» – diesen Satz eines Malers, der viele Jahre die Kunstakademie von Dieter Fortes Geburtsstadt Düsseldorf geleitet hat, stellt der Dichter seinem inspirierend nachdenklichen Buch «Das Labyrinth der Welt» als ein Motto voran.
Große historische Stoffe
Dieter Forte hat immer die Wahrheit gesucht, aber nie erfunden, vielmehr hat er sie mit Fantasie untrüglich gefunden. Wie kein Zweiter schien er mir in diesem Labyrinth der Welt unentwegt suchend und doch in ihm zugleich zu Hause zu sein.
Nach Atem ringend – das musste er sein ganzes Leben – durchforschte er wie mit einer Wünschelrute unsere sich permanent wandelnden Lebenslabyrinthe der Träume und Fakten, der Erinnerungen und Ahnungen, der Schönheiten und Schrecknisse, der Tränen und der Täuschungen, der Irrtümer und der großen Hoffnungen. Nur in seinem unermüdlich sanft zweifelnden und doch frohgemuten Forschen kam Dieter Forte zu seinem wahren, zu seinem poetischen Atem. Und dieser Atem schenkte ihm Gewissheit und Gelassenheit. Mehr noch: Dieser immer wieder erkämpfte Atem verschaffte ihm auch die Kraft, nach großen, den Horizont übersteigenden Stoffen zu greifen, die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute August/September 2019
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Hermann Beil
Übermut ist diesem Peer fremd. Er ist ein Träumer nicht aus Lust, sondern aus Not: Seine Träume sind verdrehte Fluchtversuche, sucht er doch im Eskapismus die Anpassung, im Ausbruch den Einbruch, sehnt er sich doch nach Zugehörigkeit und Heimkehr. Seine Großmannsfantasien sind ein fortwährendes Ringen um Liebe und um Anerkennung, das ebenso fortwährend scheitern...
Öffnen Sie keine Türen (könnte gefährlich sein)! Sprechen Sie keine Leute in blassgrünen Kitteln an (alle in ihre Arbeit vertieft)! Verhalten Sie sich leise (das Haus ist immer auf Sendung)! Das sind so die Benimmregeln, die der Theatermacher Thom Luz für den szenischen Rundgang namens «Radio Requiem» im stillgelegten Sendestudio auf dem Basler Hausberg, dem...
Als Hermann Hesse Hilfe in fernöstlicher Philosophie suchte, verarbeitete er sein Erster-Weltkriegs-Trauma. Die Fixierung auf das eigene Ich zu lösen, sich innerlich leer zu machen und meditativ gelassen zu transzendieren, war für den schwäbischen Missionarssohn so etwas wie Selbsttherapie. Als Role Model wählte Hesse einen indischen Brahmanensohn, der sich als...
