Hallo, Wut!
Es gibt viele Dinge, die sich drehen: Ein Hamsterrad, die Zeiger einer Uhr – und das Bühnenbild von «Birthday Candles», das dreht sich auch. Szenograf Jo Schramm hat dazu einen Guckkasten samt Küche entworfen, die im Verlauf des Abends ziemlich oft Kopf steht. Und diese gekippte Küche ist es auch, die als Gradmesser für die Stimmung der amerikanischen Mittelstandsfamilie betrachtet werden kann, die da zwei Stunden lang vor einem auf- und abschreitet.
Anna Bergmann ist die Regisseurin der deutschsprachigen Erstaufführung des Stückes, es ist ihre zweite Arbeit an den Kammerspielen des Deutschen Theaters Berlin. Mit ihrer ersten, einer Adaption von Ingmar Bergmans Psychodrama «Persona», war sie 2019 zum Berliner Theatertreffen eingeladen worden. Das Stück wiederum stammt vom US-amerikanischen Gegenwartsdramatiker Noah Haidle und hatte wenige Woche vorher am Broadway Premiere. Corinna Harfouch, die auch schon in Bergmanns erster DT-Inszenierung eine der beiden Hauptrollen gespielt hat, verkörpert die Hauptfigur Ernestine, und als Zuschauerin begleitet man sie 90 Jahre lang durch alle Höhen und Tiefen des Lebens. Haidles Trick, um eine so lange Zeitspanne auf begrenztem Raum zu ...
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Theater heute 6 2022
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Anna Fastabend
«Drogenabhängige sind die besten Schauspieler. Das sagen dir alle. Die spielen dir vor, was du willst», heißt es relativ am Anfang des Stücks. Und dann stehen da drei Schau -spieler:innen, Jenny Weichert, Gerd Zinck und Paul Trempnau, und spielen Drogenabhängige. Nein. Anders. Sie diskutieren darüber, distanzieren sich bewusst vom Spiel, streiten über Egoismus und...
Das Lied von der Wurst und ihren zwei Enden ist ein fürchterlicher Karnevalsgassenhauer. So laut, so dumm, so dre -ckig. Dass es auch anders geht, zeigt Christoph Marthaler am Theater Basel. Ganz klein, ganz fein, ganz einstimmig singen sie dieses «Alles hat ein Ende.» Pause. «Nur die Wurst hat zwei.» Pause. «Jawoll, mein Schatz.» Pause. «Es ist vorbei.» Und...
Alles Zerfall? Nicht wirklich. Dass der Wald in Thomas Bernhards «Die Jagdgesellschaft» von Borkenkäfern befallen ist, bleibt in Herbert Fritschs Inszenierung am Hamburger Schauspielhaus Behauptung. Stattdessen wuchern Bäume als durchaus kleidsames Wohnungsgrün in das Bühnengebäude hinein. Und überhaupt, dieses von Regisseur Fritsch selbst gestaltete Gebäude: Das...
