Hallo, Wut!
Es gibt viele Dinge, die sich drehen: Ein Hamsterrad, die Zeiger einer Uhr – und das Bühnenbild von «Birthday Candles», das dreht sich auch. Szenograf Jo Schramm hat dazu einen Guckkasten samt Küche entworfen, die im Verlauf des Abends ziemlich oft Kopf steht. Und diese gekippte Küche ist es auch, die als Gradmesser für die Stimmung der amerikanischen Mittelstandsfamilie betrachtet werden kann, die da zwei Stunden lang vor einem auf- und abschreitet.
Anna Bergmann ist die Regisseurin der deutschsprachigen Erstaufführung des Stückes, es ist ihre zweite Arbeit an den Kammerspielen des Deutschen Theaters Berlin. Mit ihrer ersten, einer Adaption von Ingmar Bergmans Psychodrama «Persona», war sie 2019 zum Berliner Theatertreffen eingeladen worden. Das Stück wiederum stammt vom US-amerikanischen Gegenwartsdramatiker Noah Haidle und hatte wenige Woche vorher am Broadway Premiere. Corinna Harfouch, die auch schon in Bergmanns erster DT-Inszenierung eine der beiden Hauptrollen gespielt hat, verkörpert die Hauptfigur Ernestine, und als Zuschauerin begleitet man sie 90 Jahre lang durch alle Höhen und Tiefen des Lebens. Haidles Trick, um eine so lange Zeitspanne auf begrenztem Raum zu ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute 6 2022
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Anna Fastabend
Der Hamburger Hansaplatz ist einer jener Orte, an denen die großstädtischen Widersprüche ungebremst aufeinanderprallen. Zentral im Viertel St. Georg gelegen, nur ein paar Schritte hinter dem Deutschen Schauspielhaus, hat sich der 1878 angelegte Platz zum Kriminalitätsschwerpunkt entwickelt, mit offenem Drogenhandel, Trinker -szene und Sexarbeit. Andererseits grenzt...
Jing Xiang ist nicht nur metaphorisch sprachlos. In der Rolle der Luisa Strozzi scheint ihr tatsächlich jede Möglichkeit der Artikulation zerschlagen. Mund, Augen, Mimik, Atmung, alles will antworten, will Empörung herausschreien. Doch es kommt nur der Schatten eines Lautes, «n’ …, a’ …», ein kompletter Vertrauensverlust binnen Sekunden. Es ist ein leiser, aber...
Das Lied von der Wurst und ihren zwei Enden ist ein fürchterlicher Karnevalsgassenhauer. So laut, so dumm, so dre -ckig. Dass es auch anders geht, zeigt Christoph Marthaler am Theater Basel. Ganz klein, ganz fein, ganz einstimmig singen sie dieses «Alles hat ein Ende.» Pause. «Nur die Wurst hat zwei.» Pause. «Jawoll, mein Schatz.» Pause. «Es ist vorbei.» Und...
