Redeströme schriller Vögel
Über viele Jahre konnte die rechtsradikale Terror -zelle NSU Mitbürger:innen ausländischer Herkunft ermorden, ohne überführt zu werden. Grund dafür: Der Verfassungsschutz ermittelte beharrlich in die falsche Richtung. Einen rechtsextremen Hintergrund der Taten schloss er aus und versteifte sich auf organisierte ausländische Kriminalität. Aufklärung über diese fatalen Ermittlungsfehler sollte der NSU-Prozess bringen. Doch über Hintermänner und Hintergründe gab das fünfjährige Verfahren kaum Aufschluss, auch das Leid der Familien spielte keine Rolle.
Stattdessen konzentrierte man sich auf die Hauptangeklagten. In Öffentlichkeit und Medien wurde der quälend zähe Prozess fassungslos und wü -tend wahrgenommen.
In Kathrin Rögglas neuestem recherchebasierten Auftragswerk «Verfahren» am Saarländischen Staatstheater rückt nun diese Öffentlichkeit in den Fokus, die Beobachter:innen des Prozesses, «in einer Situation, die geprägt ist von Spaltung, Instanzenkritik, Hatespeech gegen die da oben», so die Autorin in einem dem Stück vorangestellten Kommentar. Unterschiedlichste Erwartungen und die damit einhergehenden ideologischen Standpunkte legt sie sieben typisierten Figuren in den Mund, mal ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute 6 2022
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Natalie Bloch
AACHEN, THEATER
17. Breuer und Brachland-Ensemble, Das Humanotop. Ein Urbanes Zukunftsareal. Ein MörgensLab-Projekt (U)
R. Dominik Breuer
ALTENBURG/GERA, TPT
3. Kressin, Liebe macht frei
R. Manuel Kressin
ANNABERG, EDUARD- VON-WINTERSTEIN-THEATER
26. nach Hofmannsthal, Jedermann
R. Marcus Steinwender
ANSBACH, THEATER
24. nach Hofmannsthal, Ansbacher...
Ich habe eine schlechte Nachricht für Sie. Diese Laudatio ist 912 Seiten lang. Aber nur der erste Teil. Ich brauche so viel Platz zum Erklären, warum in Wolfram Lotz’ letztem Theaterstück «Die Politiker» plötzlich kein Igel mehr vorkommt. Aus 7000 Wörtern Text besteht dieses Drama, und kein einziges davon ist «Igel». Das gab es noch nie. Von den anderen...
Es war eine Art Klassentreffen des freien belarussischen Theaters, was das Festspielhaus Hellerau mit seinem Festival «Nebenan/Побач. Unabhängige Kunst aus Belarus» unter der kuratorischen Leitung von Johannes Kirsten organisiert hatte. Denn seit der brutal unterdrückten Revolution vom Herbst 2020 gegen die Wahlfälschungen von Dauerdiktator Lukaschenko befindet...
