Grundlos leben und schreiben
Einst rief mich eine Frau an, weil ich auch eine Frau bin, ansonsten verband uns nicht viel. Hätten wir ein Bildofon gehabt, hätten wir zur harmonischen Begrüßung unsere Brüste
und Genitalien ICH FRAU DU FRAU HALLO JANE eingeblendet. Sie, Leiterin einer freien Theatergruppe in Marburg – ich, einer der letzten Schriftsteller Stuttgarts, zwischen Café- und Schreibtisch, nachdenklich am und über dem Tresen hängend. Die mich anrufende Frau wünschte sich ein Stück für Frauen von Frauen über Frauen.
Eine vage Forderung, in die ein gewiefter Schriftsteller / eine gewiefte Schriftstellerin / jedes Kind BITTE KREUZEN SIE DAS AUF SIE ZUTREFFENDE AN nahezu alle Inhalte einpassen kann. Können auch Männer mitspielen, fragte ich. Ja klar, sagte sie. Gut, sagte ich, dann lass es uns vorerst mal (ich sah in meine Hand, die das Bier hielt) «Bier für Frauen» nennen. Eine langjährige Trink- und Sprachrecherche begann. Am Ende war mir alles egal, auch der Text näherte sich dem großen Egal an. Er versuchte, Gleichheit zu denken, eine Studie der trinkenden Frau heute. EGAL schrieb ich in meinen als Anmerkungen getarnten Befehlen, welche Regieanweisungen überflüssig machen sollen OB FRAUEN ODER MÄNNER, ...
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Theater heute März 2011
Rubrik: Frauen im Theater, Seite 10
von Felicia Zeller
Das Los des Analytikers ist es zuzuhören. Tag für Tag, Stunde um Stunde, nicht selten die immer gleichen Geschichten. Da kann einem schon mal der Kragen platzen und ein Monolog aus einem herausbrechen wie nach langen Schweigejahren in der Klosterzelle. So denkt man bei der Lektüre von Oliver Bukowskis Psychotherapeuten-Monolog «Der Heiler». Wobei: Was aus Professor...
Theater heuteFangen wir mit den Zahlen an: Von 124 Intendanten in Deutschland sind 19 Frauen, das entspricht 15,32 Prozent. 29 Prozent der Regisseure sind Frauen, nur beim Mittel- und Unterbau ist der statistische Gleichstand erreicht: 48,5 Prozent der Dramaturgen sind weiblich und 50,6 Prozent der Regie-Assistenz. Guckt man auf eine längere Strecke, nämlich auf...
Wie hieß es titelstiftend in dem großen Suhrkamp-Gedichtband, den Katharina Thalbach und Fritz J. Raddatz 2002, ein Jahr nach dem Tod von Thomas Brasch, aus seinem Nachlass herausgegeben haben? «Wer durch mein Leben will, muß durch mein Zimmer.» Filmemacher Christoph Rüter ist hindurch gegangen mit seinem Porträt «Brasch – Das Wünschen und das Fürchten», das soeben...
