Grundlos leben und schreiben

Wird die Zukunft des Theaters etwa männlich??

Einst rief mich eine Frau an, weil ich auch eine Frau bin, ansonsten verband uns nicht viel. Hätten wir ein Bildofon gehabt, hätten wir zur harmonischen Begrüßung unsere Brüste
und Genitalien ICH FRAU DU FRAU HALLO JANE eingeblendet. Sie, Leiterin einer freien Theatergruppe in Marburg – ich, einer der letzten Schriftsteller Stuttgarts, zwischen Café- und Schreibtisch, nachdenklich am und über dem Tresen hängend. Die mich anrufende Frau wünschte sich ein Stück für Frauen von Frauen über Frauen.

Eine vage Forderung, in die ein gewiefter Schriftsteller / eine gewiefte Schriftstellerin / jedes Kind BITTE KREUZEN SIE DAS AUF SIE ZUTREFFENDE AN nahezu alle Inhalte einpassen kann. Können auch Männer mitspielen, fragte ich. Ja klar, sagte sie. Gut, sagte ich, dann lass es uns vorerst mal (ich sah in meine Hand, die das Bier hielt) «Bier für Frauen» nennen. Eine langjährige Trink- und Sprachrecherche begann. Am Ende war mir alles egal, auch der Text näherte sich dem großen Egal an. Er versuchte, Gleichheit zu denken, eine Studie der trinkenden Frau heute. EGAL schrieb ich in meinen als Anmerkungen getarnten Befehlen, welche Regie­anweisungen überflüssig machen sollen OB FRAUEN ODER MÄNNER, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute März 2011
Rubrik: Frauen im Theater, Seite 10
von Felicia Zeller

Weitere Beiträge
Ausser-Ordentlich

Wie hieß es titelstiftend in dem großen Suhrkamp-Gedichtband, den Katharina Thalbach und Fritz J. Raddatz 2002, ein Jahr nach dem Tod von Thomas Brasch, aus seinem Nachlass herausgegeben haben? «Wer durch mein Leben will, muß durch mein Zimmer.» Filmemacher Christoph Rüter ist hindurch gegangen mit seinem Porträt «Brasch – Das Wünschen und das Fürchten», das soeben...

Einzelkämpferinnen an zwei Fronten

Theater heuteFangen wir mit den Zahlen an: Von 124 Intendanten in Deutschland sind 19 Frauen, das entspricht 15,32 Prozent. 29 Prozent der Regisseure sind Frauen, nur beim Mittel- und Unterbau ist der statis­tische Gleichstand erreicht: 48,5 Prozent der Dramaturgen sind weiblich und 50,6 Prozent der Regie-Assistenz. Guckt man auf eine längere Strecke, nämlich auf...

Aufführungen

Wir behaupten jetzt einfach mal, dieser März sei nicht nur der Monat der Frauen, sondern auch des Rock’n’Roll. Beweise gefällig? Am Leipziger Centraltheater treten gleich zwei alte Haudegen an: Jürgen Kruse forscht mit «Looking for Easy Rider» nach der bedröhnten Gesellschaft, Michael Schweighöfer, gerade noch in Aki Kaurismäkis «Mann ohne Vergangenheit» auf der...