Ausser-Ordentlich
Wie hieß es titelstiftend in dem großen Suhrkamp-Gedichtband, den Katharina Thalbach und Fritz J. Raddatz 2002, ein Jahr nach dem Tod von Thomas Brasch, aus seinem Nachlass herausgegeben haben? «Wer durch mein Leben will, muß durch mein Zimmer.» Filmemacher Christoph Rüter ist hindurch gegangen mit seinem Porträt «Brasch – Das Wünschen und das Fürchten», das soeben auf der 61. Berlinale seine Weltpremiere feierte.
Durch kahle, scheinbar eher von Büchern und Manuskriptstapeln denn von einem Menschen bewohnte Zimmer folgte Rüter in den 1990er Jahren mit seiner Handkamera dem sehnigen Dichter durch seine letzte Wohnung am Schiffbauerdamm, neben dem Berliner Ensemble.
Eine stille Hommage
Es ist die Zeit, da Brasch der Öffentlichkeit langsam abhanden kommt, verschollen in den Endlosarbeiten an seinem auf zigtausende Seiten angewachsenen, nie veröffentlichten Roman über den Mädchenmörder Brunke. Mit seiner tiefen, manchmal stockenden Stimme sagt Brasch schon zu Beginn des Films: «Schreiben heißt für mich, öffentlich Angst zu überwinden.» Es bedeute: «das Allein-Geborenwerden und allein Sterbenmüssen aufheben». Es ist eine stille Hommage, die der Theaterdokumentarist Rüter seinem ...
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Theater heute März 2011
Rubrik: Magazin, Seite 61
von Christian Rakow
Wir behaupten jetzt einfach mal, dieser März sei nicht nur der Monat der Frauen, sondern auch des Rock’n’Roll. Beweise gefällig? Am Leipziger Centraltheater treten gleich zwei alte Haudegen an: Jürgen Kruse forscht mit «Looking for Easy Rider» nach der bedröhnten Gesellschaft, Michael Schweighöfer, gerade noch in Aki Kaurismäkis «Mann ohne Vergangenheit» auf der...
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Die Wohnung sieht aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen. In der Wand klafft ein riesiges Loch, dahinter steht ein Mann mit Golfschläger. Vor der Wand seine Frau, einen Golfball im Mund. Sie: «Du spinnst wohl!» Er: «Das wollte ich nicht.» Blackout. Soweit in voller Länge die kürzeste jener 52 Szenen, aus denen Andrea Breths Minidramencollage «Zwischenfälle» im...
