Grammgenaue Details
«Drogenabhängige sind die besten Schauspieler. Das sagen dir alle. Die spielen dir vor, was du willst», heißt es relativ am Anfang des Stücks. Und dann stehen da drei Schau -spieler:innen, Jenny Weichert, Gerd Zinck und Paul Trempnau, und spielen Drogenabhängige. Nein. Anders. Sie diskutieren darüber, distanzieren sich bewusst vom Spiel, streiten über Egoismus und Sucht, über das echte Leben und die Unmöglichkeit, dieses Thema auf die Bühne zu bringen: «Das geht gar nicht. Wir haben mit denen gesprochen und jetzt stellen wir das … dar.
» Immer wieder an diesem Abend legen sie den Abgrund offen, der sich zwischen Spiel und Ernst auftut. Zwischen Theater und Leben. Zwischen Recherche und schauspielernder Wiedergabe. Immer wieder referieren die Darsteller:innen auf ihre Quellen, zitieren und werden nicht müde, ihre Sätze mit «der Johannes / der Stefan / der Andreas / die Sabine sagt» zu beginnen.
Schließlich basiert Philipp Löhles jüngstes Stück auf wahren Geschichten und Lebensläufen. Kurz gesagt auf, wie es so hässlich euphemistisch heißt: Drogenkarrieren. Und auf einer monatelangen Recherche. Zahlreiche Gespräche hat Löhle mit «Johannes, Stefan, Andreas, Sabine» (und vermutlich ...
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Theater heute 6 2022
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Katrin Ullmann
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Die Holländische Straße in Kassel ist nicht unbedingt das, was man eine schicke Flaniermeile nennen würde. Prosaische Nachkriegsarchitektur dominiert, die vorherrschende Farbe ist mattes Grau, Geschäfte und Wohnhäuser reihen sich schmucklos aneinander. Eine typische Ausfallschneise eben, ohne Flair, ohne Charme.
Im April 2006 erlangte diese Straße traurige...
Ich entschuldige mich aufrichtig bei jeder, die sich verletzt fühlt, bei jedem, der sich wegen mir schlecht gefühlt hat. Ich wünsche ihnen die Anarchie der Liebe und der Schönheit» – diese handschriftlichen Zeilen hatte der belgische Künstler und Choreograf Jan Fabre während des Prozesses gegen ihn wegen sexueller Belästigung seinen Anwält:innen zur Übermittlung an...
