Gottes Samen
Gott ist nicht tot. Nur einfach nicht da. Stattdessen ragt ein Kran von einer mehrstöckigen Plattform krakenhaft ins Nirgendwo. Das Studierzimmer: eine Schmuddelecke mit Waschbecken, und auch sonst hat sich einiges verändert im meistzitierten deutschen Drama, und das mit Recht, versteht sich, «denn alles, was entsteht/Ist wert, dass es zugrunde geht …» etc. pp. Auch wenn die berüchtigten Knittelverse gleich wieder im Hirn mitrattern, will doch wohl nicht einmal der traditionsverliebteste Silbersee im Parkett noch ernsthaft in nostalgischer Treue zum Reclamheft verweilen.
Goethes «Faust» gehört zusammen mit dem «Ring des Nibelungen» und vielleicht noch der «Orestie» des Aischylos zu den Klassikern, bei denen man von jeder Inszenierung so etwas wie einen Weltentwurf, mindestens aber eine gehörig radikale Lesart erwartet. Die bleibt auch Residenztheaterintendant Martin Kusej, der sich den besonderen Stoff zum Ende seiner dritten Münchner Spielzeit gönnt, zumindest auf den ersten Blick nicht schuldig, auch wenn manches sehr an dystopische Hollywood-Science-Fiction erinnert. Zumindest gibt es im neuen Münchner «Faust» nicht einmal mehr eine ironische Reminiszenz an göttliches Walten und ...
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Theater heute August-September 2014
Rubrik: Festivals/Aufführungen, Seite 26
von Silvia Stammen
Mit seinen langen, zotteligen Haaren sieht der junge Mann (Philipp Grimm), der sich da am Esstisch des hell und schlicht ausgestatteten Männerwohnheims als Hitler vorstellt, beinah aus wie eine Jesus-Karikatur. Oder wie ein junger Student auf dem Selbstfindungstrip. Ein schwer verunsicherter allerdings, einer, der sich aus einem innigen Verhältnis mit der Mutter...
2.8./Samstag
19.30, ZDF: Theater: Ein Fest! Theater-der-Welt-Festival in Mannheim unter der Leitung von Matthias Lilienthal. Nina Sonnenberg spricht mit Philippe Quesne und Gob Squad u.a. (siehe auch die Seiten 6–13 in diesem Heft)
7.8./Donnerstag
21.45, arte: Schiffbruch mit verrückter Hoffnung Theaterfilm von Ariane Mnouchkine nach Jules Verne, mit Eve Doe-Bruce,...
30 Prozent», erzählt Günther Beelitz im Juni 2014. Dies sei der aktuellste Stand der Zuschauerauslastung im Großen Haus des Düsseldorfer Schauspielhauses, mit 750 Plätzen eines der größeren Sprechtheater der Bundesrepublik. Bei seiner Spielzeitpressekonferenz im Mai waren es noch 41 Prozent, aber die Talfahrt geht weiter. «Es war ein Himmelfahrtskommando, das zu...
