Bühnen bilden!
Es ist widersprüchlich, was auf einen einprasselt, wenn man sich heute für Bühnen- und Kostümbild als Beruf entscheidet: Einerseits ist offensichtlich, dass das Visuelle einen enormen Bedeutungsschub in der gesellschaftlichen Wahrnehmung erfährt. Bilder, und damit auch die Bilder jeder Inszenierung, sind in der Foto-, Film und Symbolflut der Massenmedien, online wie offline, zu einer immer wichtigeren Ebene der Wahrnehmung und Kommunikation geworden.
Iconic turn nennt der Kunsthistoriker Gottfried Boehm diese Macht der Bilder, vor der nun selbst die gute alte «Tagesschau» kapituliert hat: Im neuen ARD-Studio sind überlebensgroße Fotos und Filmeinspieler die Hauptakteure, die Sprecherin und ihr Text wirken beinahe marginal. Auch ins Theater kommt ein Publikum, das so bilderfixiert ist wie nie zuvor, und das steigert die Relevanz von Bühne und Kostüm – ob als Bedeutungsträger oder Bedeutungsverweigerer. Ideale Zeiten also für diesen Beruf?
Fast ideal, wären nicht sowohl das Stadttheatersystem als auch der Beruf selbst unter massivem Druck. Ein Beispiel: 2013 sollten Bühnen- und Kostümbildner plötzlich, zumindest aus Sicht des Fiskus, keine «künstlerische Autorenschaft» mehr ...
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Theater heute August-September 2014
Rubrik: Ausbildung, Seite 34
von Cornelia Fiedler
Was ist das deutsche Stadttheater? Darauf gibt es bekanntlich viele Antworten, aber die funktionalistische geht so: Ein hocheffizienter, hocharbeitsteiliger Betrieb mit oft mehreren hundert Mitarbeitern, der es einem vergleichsweise kleinen künstlerischen Kernteam ermöglicht, jedes Jahr bis zu zwei Dutzend literarische Vorlagen in repertoirefähige Theaterabende zu...
Hier entspannt Karl Kraus, der Autor der «Letzten Tage der Menschheit», die 100 Jahre nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs zahlreiche Premierentage erleben dürfen. In Salzburg inszeniert statt Matthias Hartmann, der im Januar überraschend seine letzten Tage als Burgtheaterdirektor erleben musste, Georg Schmiedleitner.
«Die lächerliche Finsternis» hat Wolfram...
Anfangsstation: Bahnhof, Ort der Unruhe, des Aufbruchs und Durchgangs. Im Bochumer Schauspielhaus bleibt auf weitgehend leerer Bühnenfläche, über die Raimund Bauer nichts als eine Lichtbrücken-Installation hängt, die Drehscheibe der konkrete und metaphorische Ort des Karl Siebrecht. Der 16-Jährige kommt, mutterseelenallein, aus der Uckermark ins Berlin der späten...
