Über Leben

Valery Tscheplanowas Erinnerungsrekonstruktion «Das Pferd im Brunnen»

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Sepp Bierbichler, einer der ganz großen schreibenden Schauspieler (ja, bisher waren das fast nur Männer, die ihre Biografie autofiktional in Bücher, oft Bestseller verwandelten), hat das der Kollegin Valery Tscheplanowa schon vor drei Jahren zugetraut. In einem Nachwort zum Gesprächsband «Backstage Tscheplanowa» schrieb er: «Wird sie sich endlich Zeit nehmen fürs Schreiben? Ich weiß, dass sie das kann.

»

Sie hat sich die Zeit genommen, und herausgekommen ist ein ungemein dichter Erzählversuch, in einer poetisch präzisen Sprache Urgroßmutter, Großmutter, Mutter, die das erzählende Ich, Walja, nur ausschnittweise erleben konnte, zu reimaginieren. Was triggert die Erinnerung, wie lässt sie sich ausfüllen, auffüllen? Mit ihrer Mutter hat Walja, wie Valery Tscheplanowa, das Land ihrer Ahninnen mit acht Jahren verlassen, von Kasan, 800 km östlich von Moskau, ins traurige Haus des Alleinunterhalters Horst Karl Johnny an der B 77, gleich neben einer stinkenden Schweinezucht, weit oben im deutschen Norden. «B 77», so heißt das 12. Kapitel genau in der Mitte des Buches, in dem sie in jedem ihrer 24 Kapitel die Erinnerung mit einem Buzzword antriggert: «Streichholzschachteln», «Die Lüge», ...

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Theater heute Dezember 2023
Rubrik: Bücher, Seite 48
von Barbara Burckhardt

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