Der Trip in die Kugel
Schafe, alles Schafe», denkt Peter Bender oft in einer Art aufgebrachtem Mitleid, wenn er im Worms der 1920er Jahre die anderen Menschen an sich vorbeieilen sieht. Ihnen allen, diesen bedauernswerten Geschöpfen, fehlt nicht nur jede tiefere Einsicht in die Materie, sondern sie unternehmen auch keinerlei Anstrengung, zu selbiger zu gelangen! Für die träge Gleichgültigkeit, in der sie sich zeit ihres Lebens mit der Behauptung abspeisen lassen, sie lebten auf einer Kugel, hat der Schriftsteller Bender, der Protagonist von Clemens J.
Setz’ jüngstem Roman «Monde vor der Landung», nur milderhabene Verachtung übrig.
Bender ist ein führender Verfechter der so genannten «Hohlwelt-Theorie». Die verortet – quasi im diametralen Gegensatz zum kopernikanischen Weltbild – die Menschheit nicht auf, sondern in einer Kugel. Außerhalb dieses Rundkörpers gibt es jener Theorie zufolge – nichts.
Peter Bender existierte tatsächlich – genau wie die nämliche Theorie. Und Setz hat auch gründlich recherchiert und spielt insofern mit dem dokumentarischen Vorbild, als er Faksimiles der (raren) Dokumente in seinen Roman einspeist, die vom realen Peter Bender existieren. Dass die Einzelheiten seiner ...
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Theater heute Dezember 2023
Rubrik: Bücher, Seite 52
von Christine Wahl
MÜNSTER, LWL MUSEUM FÜR KUNST UND KULTUR
bis 14.4.24, Nudes
In Kooperation mit der Tate London beleuchtet die Ausstellung den historischen künstlerischen Akt, intime und moderne Aktdarstellungen sowie surreale Körper und politisch aufgeladene und fragile Darstellungen nackter Körperlichkeit, Themen wie den männlichen Blick auf den nackten Frauenkörper und die Frage...
Zwei Kindheiten spiegeln sich ineinander – über Zeit und Entfernung hinweg –, treffen sich in Erlebnissen von teilweise heftiger Gewalt, werden jeweils zum Resonanzraum der anderen und dabei auch ein Stück weit transparent in ihrem historischen und sozialpsychologischen Kontext. Wenn das gelingt, kann dabei etwas aufgehen, ein lebendiger Widerstandsgeist, ein...
In Turnschuhen und weißem Kleid sitzt sie mit ihrem Vater am langen Tisch und gibt freche Widerworte. Pauline Gloger nimmt ihre Ophelia am Staatstheater Meiningen sehr frisch. Mit ihrem Schatz Hamlet (Yannick Fischer) sitzt sie in der Schauspielerszene wild flirtend und händchenhaltend als imaginierte letzte Reihe am Bühnenrand. Das ist der wahre Hingucker dieses...
