Der Friederich, der Friederich

Ibsen «Peer Gynt» (Schauspiel, Kammerspiele)

Wenn er dann Solveig trifft, die für den Rest des Stücks eine Weltreise lang auf ihn wartet, wird er gar zum Vergewaltiger. «Und höre nur, wie bös er war:/er peitschte, ach, sein Gretchen gar», möchte man mitfühlend murmeln, wenn der Frankfurter Peer Gynt über das arme Mädchen herfällt, ist im Moment aber noch gefangen vom Überwältigungstheater, mit dem der Nachwuchsregisseur des Jahres 2010 Antú Romero Nunes Ibsens Spiel einer vergeblichen Häutung beim Kragen packt.

Es ist der Kragen des Protagonisten, ein mit überbordender Imagination begabter Jüngling, der sich immer wieder in hochfahrende Erzählwelten katapultiert. Von der ärmlichen Gebirgsklause der Mutter geht es über die Gipfel der Berge ins Reich der Trolle und über Marokko in jenen Teil der Welt, in dem es im Gegenteil zu Norwegen immer schön warm ist.

Antú Romero Nunes setzt in seiner Annäherung an die vergebliche Selbsterkundung
des Peer ganz auf den Hauptdarsteller Nils Kahnwald und reduziert die restlichen Figuren, bis sie alle von Henrike Johanna Jörissen und Michael Goldberg gespielt werden können. Damit hat die Inszenierung ein Zentrum, und Nunes ist auch ein Regisseur, der mit wenig Ausstattung fantasievolles ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute März 2011
Rubrik: Chronik, Seite 51
von Jürgen Berger

Weitere Beiträge
Der Sexappeal des erwachsenen Mannes

Wir sehen Henry Hübchen in Jeans, Windjacke und mit Zigarette durch den Prenzlauer Berg spazieren. Mit Sonnenbrille am Ostseestrand, stets leicht gebräunt, im weißen Hemd, mit überlegten, entspannten Bewegungen auf der Holzjolle («Seniorenkreuzer» sagt Hübchen).
Er zeigt seine alte Schule in der Pasteurstraße, spielt im Auto den Song «Casablanca» vor, den er für...

Theatertreffen 2011

Das Mecklenburgische Staatstheater Schwerin schickt Hauptmanns «Der Biberpelz», inszeniert von Herbert Fritsch, der auch Ibsens ebenfalls eingeladene «Nora» aus dem Theater Oberhausen verantwortet. Weiter nominiert ist vom Dresdner Staatsschauspiel Roger Vontobels «Don Carlos»-Inszenierung. Der dritte bisher noch nie zum TT geladene Regisseur ist Nurkan Erpulat mit...

Mittendrin, ganz nah

Pina. Tanzt, tanzt, sonst sind wir verlo­ren» – etwas altmodisch Expressives haf­tet diesem Titel an. Unumwunden pathetisch weltretterhaft hat Wim Wenders seinen Film über die im Sommer vor zwei Jahren verstorbene berühmte deutsche Tanztheaterchoreographin aus Wuppertal und ihr Werk genannt. Das als einen Nachhall von Pina Bauschs ebenfalls recht enigmatischen...