Gegenkritik
Das Leben ist wie ein Buster-Keaton-Film: brutal, todtraurig, verlogen, verzweifelt und komisch. Siegfried Kracauer sagte einst über diesen kleinen, schmalen Mann mit dem stoischen Gesichtsausdruck, er habe seine Beziehung zum Le-ben verloren. «Die vielen Gegenstände: Apparate, Baumstämme und Menschenkörper veranstalten ein Kesseltreiben mit ihm, er kennt sich nicht mehr aus, er ist unter dem sinnlosen Druck der zufälligen Dinge apathisch geworden.» Dieses unsichtbare Grinsen eines Buster Keaton durchzieht Gorkis fast filmisch angelegte Szenenfolge «Kinder der Sonne».
Doch während Keaton stumm bleibt, dürfen Gorkis Figuren mit ihrem ununterbrochenen Gerede über ihre Lebensunfähigkeit hinwegtäuschen. Auch auf der Bühne reden die Menschen unentwegt, sprechen über die Zukunft und bleiben doch nur in ihrer gegenwärtigen Selbstbezüglichkeit verhaftet. Verkommt in dieser Inszenierung Gorkis utopischer Gedanke nur zum Fluchtpunkt, um plappernd der überfordernden Gegenwart zu entgehen? Kann und will dieser Abend sich überhaupt eine Zukunft vorstellen? Wohl eher nicht – so der Haupteinwand vieler Kritiken. Zeigt die Inszenierung letztlich nicht nur die Resignation nach dem Ende aller ...
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Gleich nach einer kurzen Diashow zur Einstimmung teilen sich Gesine Hohmann und Stephan Stock die Bühne gerecht auf. Auf der linken Seite arbeitet sich der Berner Schauspielschüler mit geradem Rücken, irritierend wohlgesetztem Lächeln und ein paar multifunktionalen Holzlatten durch den stoischen Optimismus von Halldor Laxness’ «Sein eigener Herr»: die Geschichte...
Welch eine Verheißung: «Sie müssen das, was Sie lieben, nicht mehr selber machen. Hier geht es» – denn was ist Gefühlsproduktion schließlich anderes als harte Wertschöpfungsmaloche – «um Arbeitserleichterung!» An die Formulierung derart revolutionärer Utopien hat sich das Theater mindestens seit Brecht nicht mehr gewagt!
Im Ernst: René Polleschs «interpassive»...
Einen sadistischen Tanzmeister, einen schüchternen DJ und drei barfüßige pathetische Ballerinen, ein paar Handtücher und einen Laptop – mehr braucht Michael Laub nicht, um den Kreis der Verbindungen von Tanz und Tod begrifflich abzuschreiten. Da ist die Geschichte der Ballerina, deren Tutu an der Gasbeleuchtung der Bühne Feuer fing: Von da an hielten die Theater...
