Elfriede und die sieben Zwerge
Das typische Jelinek-Stück ist erstens eine überlange Textwüste, enthält zweitens keine Dialoge, bringt drittens einen klassischen Stoff mit einem aktuellen Thema zusammen und enthält viertens auch noch ein Selbstporträt der Autorin.
«Schatten (Eurydike spricht)» ist ein typisches Jelinek-Stück. In einem riesigen Monolog schließt Jelinek den antiken Orpheus-Mythos mit dem Star-Kult von heute kurz. Orpheus, der hier immer nur «der Sänger» genannt wird, ist Popstar. Eurydike war Autorin und Fashion Victim. Jetzt ist sie buchstäblich nur noch ein Schatten ihrer selbst.
Sie ist in der Unterwelt und eigentlich will sie gar nicht mehr zurück. Sie ätzt über die jungen weiblichen Fans ihres Mannes («furchtbare Schreie aus ihren dummen, nach Zahnpasta riechenden Fischmäulern») und relativiert dessen Trauer. Der Narzisst habe sich bloß sein Objekt – also sie – «zu hoch gehängt». Fazit: «Der Abschied von meinen Kleidern ist fast schlimmer als der vom Sänger.»
Elfriede Jelinek hat «Schatten» für ein spartenübergreifendes Orpheus-Projekt der Philharmonie Essen geschrieben, wo der Text voriges Jahr als szenische Lesung mit Johanna Wokalek uraufgeführt wurde (s. TH 10/12). Im Akademietheater fand ...
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Theater heute März 2013
Rubrik: Chronik: Wien Akademietheater, Seite 51
von Wolfgang Kralicek
6./Mittwoch
20.15, arte: Fenster zum Sommer Spielfilm (2011) von Hannelore Valencak, Regie Hendrik Handloegten, mit Nina Hoss, Fritzi Haberlandt,
Lars Eidinger, Mark Waschke u.a.
8./Freitag
22.35, 3sat: Gegen die Wand Spielfilm (2004) von Fatih Akin, mit Birol Ünel, Sibel Kekilli, Catrin Striebeck u.a. (vgl. TH 4/04)
12./Dienstag
21.45, 3sat: Die verrückte Welt der Ute...
Die Ehe war zu Racines Zeiten keine Angelegenheit romantischer Selbstverwirklichung, sondern eine Staatsaktion, zumindest in den höheren Ständen. Entsprechend problematisch war die Liebe, die als bestenfalls nachgeordneter Effekt den pragmatischeren Zwecken des Zwischenmenschlichen besser nicht in die Quere zu kommen hatte. Der Mensch des Ancien Régime fühlte sich...
Der vorletzte Frankfurter Auftritt von Michael Thalheimer war gewichtig. Er begann in der tieferen Finsternis, die sozusagen der natürliche Zustand der riesigen Frankfurter Bühne ist, mit schweren Schritten und Schlagschatten. Die Schauspielerin Josefin Platt setzte donnernd einen Fuß vor den anderen, und jedes Mal knallte der Kothurn. Es war der passende Auftakt...
