Gefundene Opfer

Stefan Bachmann lässt Lion Feuchtwangers München-Roman «Erfolg» im Residenztheater rundlaufen, und Yana Eva Thönnes animiert Jovana Reisingers Roman «Spitzenreiterinnen» als Computerspiel

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Die Symptome hat er früh erkannt, genau beschrieben und dann doch in ihrer Bösartigkeit noch unterschätzt.

«Drei Jahre Geschichte einer Provinz» skizziert Lion Feuchtwanger in seinem 800- Seiten-München-Roman «Erfolg» (erschienen 1930), in dem die leicht schrulligen und in ihrer Weltsicht ein wenig beschränkt gezeichneten Bewohner der bayerischen Hochebene zwischen 1920 und dem Hitlerputsch 1923 von der Bewegung der «Wahren Deutschen», unschwer zu erkennen als Hitlers NSdAP, unterwandert werden und aus dem leutselig-prahlerischen Mir-san-mir der Alteingesessenen immer mehr eine heimtückische Verleumdungs- und Cancel-Mentalität wird.

Gefundenes Opfer: Martin Krüger, Subdirektor der staatlichen Sammlungen, der sich weigert, angeblich anstößige Gemälde aus seinem Museum zu entfernen, und mit seinem unbotmäßigen Freigeist den Hass einer bigotten Obrigkeit herausfordert. «Einen meineidig machen» gilt in Bayern in solchen Fällen als probate Methode, um unliebsame Gegner aus dem Weg zu räumen (berühmtes Beispiel: die Spielbankenaffäre in den 1950er Jahren, mit der die CSU ihre konservative Konkurrentin, die Bayernpartei, endgültig aus dem Weg räumte).

Auch Krüger, der aufrichtig und ...

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Theater heute Juli 2023
Rubrik: Aufführungen, Seite 16
von Silvia Stammen

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