Freie Szene: Von Molchen und Akazien
Es herrscht derzeit Einigkeit: Die Welt, sie muss gerettet werden! Doch wie kann das gehen, jenseits von einschlägigen Superhelden- und Hollywood-Fantasien? Auf der Suche nach Lösungen sind immer mehr auch Künstler*innen gefragt. «Unfuck My Future» forderte jetzt munter ein Festival, das die Saison am Frankfurter Künstlerhaus Mousonturm eröffnete und im Untertitel fragte: «How to live Together in Europe»? Der sicher nicht Oxford-taugliche Terminus «to unfuck», klärt ein Online-Wörterbuch auf, bedeute, einen Fehler oder ein Problem zu korrigieren oder auszubessern.
Wie also das ausbessern, was noch gar nicht stattgefunden hat – die europäische Zukunft nämlich? Eine umfängliche Fragestellung für ein kaum minder umfängliches Programm aus Performances, Installationen, Gesprächen, Vorträgen und einem Stadtrundgang, kuratiert von der Dramaturgin Valerie Göhring und dem Intendanten Matthias Pees. Bei der ausgesprochen politischen Agenda war die Tendenz zum Ein-Thesen-Projekt nicht zu übersehen.
Erschlagende Faktenfülle
Da widmete sich die Performance «Auto-nomie» der Frankfurter Gruppe andpartnersincrime den Unabhängigkeitsbestrebungen Moldawiens wie Kataloniens – ein leider merkwürdig ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute November 2019
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Esther Boldt
«The End» prangt von Beginn an als Leuchtreklame auf dem Königs-Bungalow, und der Horizont dahinter wölkt sich in Nina Pellers Bühnenbild leuchtend wie im Abspann eines 50er-Jahre-Westerns in Technicolor. Doch das Ende ist das eine, was danach kommt, das andere. Weg mit den weißen alten Männern, das ist inzwischen fast überall der Konsens der Stunde; und...
Wer aus aktuellem Anlass ins Bücherregal greift, doch noch einmal ein schmales Bändchen des frisch gekürten Literaturnobelpreisträgers Peter Handke herauszieht und jene «Winterliche Reise zu den Flüssen Donau, Save, Morawa und Drina oder Gerechtigkeit für Serbien» liest, dem wird vieles bekannt vorkommen. Diffuse Andeutungen, Verschwörungsraunen, übelste...
Angeblich lesen die Leute deshalb weniger Romane als früher, weil sie lieber Serien schauen. Viele gehen aber auch ins Theater, wo sich das Adaptieren von dicken Büchern ungebrochener Beliebtheit erfreut; in Graz ist dafür der Regisseur Alexander Eisenach zuständig. Nach Clemens J. Setz’ «Frequenzen» (TH 6/16) und Thomas Manns «Zauberberg» (TH 3/18) hat er nun zur...
