Graz: Der? Die? Das?
Angeblich lesen die Leute deshalb weniger Romane als früher, weil sie lieber Serien schauen. Viele gehen aber auch ins Theater, wo sich das Adaptieren von dicken Büchern ungebrochener Beliebtheit erfreut; in Graz ist dafür der Regisseur Alexander Eisenach zuständig. Nach Clemens J. Setz’ «Frequenzen» (TH 6/16) und Thomas Manns «Zauberberg» (TH 3/18) hat er nun zur Saisoneröffnung im Schauspielhaus «Vernon Subutex» von Virginie Despentes auf die Bühne gebracht.
Der dreibändige Romanzyklus ist eine fulminante Melange aus wüster Kolportage und scharfer Gesellschaftsanalyse; die Story setzt auf die bewährte Kombination Sex & Drugs & Rock ’n’ Roll – angereichert mit einer kräftigen Prise Crime. Der Titelheld landet nach der Pleite seines Schallplattenladens zunächst auf der Straße, erlebt dann aber ein wundersames Comeback als DJ, der die Fans wie ein Schamane in seinen Bann zieht. Rund um Vernon tummelt sich eine illustre Gesellschaft, der ehemalige Pornostars, ein skrupelloser Filmproduzent und eine lesbische Privatdetektivin angehören.
Bei weitem nicht alle Figuren aus dem Roman haben es in die Bühnenfassung geschafft, aber doch sehr viele: Nicht weniger als 21 Rollen finden sich ...
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Theater heute November 2019
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Wolfgang Kralicek
Es ist ein altbekanntes Phänomen und bleibt doch komplett grotesk: Das Opernpublikum bejubelt frenetisch jede einzelne Diva, jeden Tenor und Bariton, spendet Bravos für Dirigent und Orchester und schaltet abrupt in dem Moment um, an dem der böse Regisseur die Premierenbühne betritt. Aus dem offensichtlich eben noch kollektiven Hochgefühl wird Empörung, Hass, ein...
Er hatte schon im Vorfeld seinen Respekt vor dieser Bühne kundgetan, ihrer Größe, ihrer Tiefe, ihrer Geschichte. Thorleifur Örn Arnasson, der 41-jährige isländische Regisseur, dessen Name spätestens seit seiner hannoverschen Mythenüberschreibung «Edda» 2018 (die er jetzt fürs Burgtheater aktualisiert) in Theaterkreisen zirkulierte, wusste, was er sich antat, als er...
Neue Stücke
Alle Vögel sind schon da, auch der «Bookpink». So heißt der Buchfink nämlich auf Plattdeutsch. Carmen Jeß’ doppelt preisgekröntes «dramatisches Kompendium» anthropomorphisiert beherzt Pfauen, Tauben, Puten, Spatzen, indem sie ihnen sprachlich raffinierte, vogelgesellschaftskritische Szenen aufs Federkleid schreibt. Anja Michael Wohlfahrt inszeniert die...
