Fortsetzung folgte
Jetzt hat der Pilz das Wort. Weil ihm und dem verzweigten Mycel-Netz, auf und von dem er lebt, in jüngeren Forschungen zum «Wood Wide Web», zum weltumspannenden Netzwerk der Bäume also, die Fähigkeit zugesprochen wird (manchmal allerdings auch gleich wieder abgesprochen), eine Art Kommunikation herzustellen von Baum zu Baum.
Auf der Bühne vom Schauspielhaus in Kassel steht darum kurz vor Schluss der neuen Antiken-Bearbeitung aus der Regie-Werkstatt von Alexander Eisenach ein Gebilde, das bei sehr viel gutem Willen als Pilz durchgeht; elektronisch generiert und per Mikrofon abgenommen, brummelt es eher unverständlich vor sich hin. Das Ensemble markiert nun das Mycel – jeder und jede fasst einander bei den Händen und lädt dann auch Teile des Publikums dazu ein: bis womöglich alle das Gebrabbel von Kollege Pilz «verstehen» lernen.
Es gibt durchaus Momente in Eisenachs Überschreibung, die ziemlich albern sind; das Pilz-Spiel gehört dazu. Aber auch an der Kern-Geschichte von «Anthropos Antigone» wird gehörig geschraubt – wenn etwa Eteokles und Polyneikes, die Söhne des alten, an der eigenen Blindheit gescheiterten König Ödipus, um dessen Nachfolge und also um die Macht im Staate ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Mai 2023
Rubrik: Chronik, Seite 75
von Michael Laages
Wie ein akustischer Fingerabdruck klebt auf jeder Sebastian-Hartmann-Inszenierung der Vers «All that we see or seam is but a dream within a dream». Immer ist es dieselbe androgyne Stimme, die diese Zeilen aus Edgar Alan Poes Gedicht «Dream within a dream» aus dem Off spricht, meist als Motto gleich zu Beginn der Aufführung, mitunter auch mehrfach und erst im...
Talentshows haben lange ein süßes Gift ins Unbewusste ihres Publikums geträufelt: Auch du kannst – und sollst, wenn du eine Frau bist – schlank, sexy, rein und begehrenswert sein, wenn du dich nur anstrengst. Was, wenn jetzt eine Frau, einen Dolch im fauligen Gebiss, mit unreiner Haut, Augenklappe, schmuddeligem Rüschenhemd und «unten ohne», aber unrasiert, an der...
Grundsätzlich hat Caren Jeß nichts gegen Richard Wagner und seinen «Ring des Nibelungen», im Gegenteil: «Sex, Blut und Gewalt, Boys, da bin ich dabei!» Außerdem darf frau heute nicht mehr so zimperlich sein und das Nationalmythen-Ausdeuten männlichen Bayreuther Regietitanen oder Gegenwartsdramatiker-Kollegen wie Necati Öziri, Thomas Köck oder Ferdinand Schmalz...
