Black Inventions
Es gibt Theaterabende mit besonders sinnfälli -gen Titeln. Dieser, ein Wortspiel der Regisseurin Mable Preach – in Ghana geboren, in Deutschland aufgewachsen – gehört definitiv dazu: «K(no)w Black Heroes». Keine Schwarzen Held: -innen, kenne Schwarze Held:innen. Ja, man sollte Schwarze Held:innen kennen, doch warum kennt man keine? Oder kaum welche? Mal abgesehen von Rosa Parks, Martin Luther King und Muhammad Ali, Denzel Washington, Barack Obama und Amanda Gorman. Eine Handvoll. Ein schlechter Witz.
Das mag sich Mable Preach gedacht haben und hat diese Wissens -lücke – «I blame das Bildungssystem!» – zum Anlass für ihren Theaterabend genommen. Die Uraufführung wird für «Jugendliche ab 14 Jahren und Erwachsene» einsortiert, eine ordentliche Prise Jugendtheater spielt an dem Abend tatsächlich mit. Im besten, im energetischen Sinn.
Zu Beginn wird auch ein wenig Handlung behauptet: Denn Akos (Precious Wiesner) hat ein Raumschiff gebaut, mit dem sie die Erde hinter sich lassen und einen anderen Planeten ansteuern will. Für diese Reise, so ergänzt ihre Mitspielerin Essinam (Florence Adjidome), «packen wir unsere Koffer mit allen Black Inventions, Black Inspirations und Musikgenres (…) ...
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Theater heute Mai 2023
Rubrik: Chronik, Seite 74
von Katrin Ullmann
Clemens J. Setz’ «Der Triumph der Waldrebe in Europa»
Was heißt hier Wirklichkeit?, fragt sich Renate, Mutter von David, der mit damals acht Jahren vor einiger Zeit bei einem Autounfall umgekommen ist. Und ihre Antwort lautet: «Mein Sohn gehört nicht der Erde, er gehört uns», also ihr und ihrem Mann Konrad. Fortan wird kein Toter betrauert, sondern ein Rollstuhl...
Manchmal schlägt die Aktualität mit Verzögerung zu. Eine Woche nachdem Hans-Werner Kroesinger und Regine Dura ihr Dokumentarstück «Letzte Station Torgau. Eine kalte Umarmung» im Schauspiel Leipzig zum DDR-Jugendwerkhof Torgau präsentierten, veröffentlichte die Universität Leipzig die groß angelegte «Testimony»-Studie zu den Jugendwerkhöfen und Kinderheimen der DDR....
Wie ein akustischer Fingerabdruck klebt auf jeder Sebastian-Hartmann-Inszenierung der Vers «All that we see or seam is but a dream within a dream». Immer ist es dieselbe androgyne Stimme, die diese Zeilen aus Edgar Alan Poes Gedicht «Dream within a dream» aus dem Off spricht, meist als Motto gleich zu Beginn der Aufführung, mitunter auch mehrfach und erst im...
