Black Inventions
Es gibt Theaterabende mit besonders sinnfälli -gen Titeln. Dieser, ein Wortspiel der Regisseurin Mable Preach – in Ghana geboren, in Deutschland aufgewachsen – gehört definitiv dazu: «K(no)w Black Heroes». Keine Schwarzen Held: -innen, kenne Schwarze Held:innen. Ja, man sollte Schwarze Held:innen kennen, doch warum kennt man keine? Oder kaum welche? Mal abgesehen von Rosa Parks, Martin Luther King und Muhammad Ali, Denzel Washington, Barack Obama und Amanda Gorman. Eine Handvoll. Ein schlechter Witz.
Das mag sich Mable Preach gedacht haben und hat diese Wissens -lücke – «I blame das Bildungssystem!» – zum Anlass für ihren Theaterabend genommen. Die Uraufführung wird für «Jugendliche ab 14 Jahren und Erwachsene» einsortiert, eine ordentliche Prise Jugendtheater spielt an dem Abend tatsächlich mit. Im besten, im energetischen Sinn.
Zu Beginn wird auch ein wenig Handlung behauptet: Denn Akos (Precious Wiesner) hat ein Raumschiff gebaut, mit dem sie die Erde hinter sich lassen und einen anderen Planeten ansteuern will. Für diese Reise, so ergänzt ihre Mitspielerin Essinam (Florence Adjidome), «packen wir unsere Koffer mit allen Black Inventions, Black Inspirations und Musikgenres (…) ...
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Theater heute Mai 2023
Rubrik: Chronik, Seite 74
von Katrin Ullmann
Clemens J. Setz’ «Der Triumph der Waldrebe in Europa»
Was heißt hier Wirklichkeit?, fragt sich Renate, Mutter von David, der mit damals acht Jahren vor einiger Zeit bei einem Autounfall umgekommen ist. Und ihre Antwort lautet: «Mein Sohn gehört nicht der Erde, er gehört uns», also ihr und ihrem Mann Konrad. Fortan wird kein Toter betrauert, sondern ein Rollstuhl...
Es gibt wenige Stücke, mit denen man so wunderbar klarmachen kann, was man sich von der Theaterkunst erhofft, wie Anton Tschechows «Die Möwe» (von 1896). Schließlich kreist die Handlung um einen geradezu exemplarischen Dichterwettstreit: Da haben wir auf der einen Seite den ambitionierten Jungdramatiker Kostja, der sich als flammender Visionär und...
Die 750. Ausgabe von «Theater heute» ist etwas umfangreicher als sonst. Was läge zum Jubiläum auch näher, als sich einmal genauer mit Theaterkritik zu beschäftigen. Oft wird behauptet, sie habe ihre besten Zeiten hinter sich. Und tatsächlich, die Lage ist oft schwierig. Feuilletons müssen sparen, der Platz im Blatt für die Kritik ist umkämpft, Reiseetats – wichtig...
