Finnische Tristesse

Karin Beier tränkt Brechts «Herr Puntila und sein Knecht Matti» am Hamburger Schauspielhaus mit Schnaps, Komik und Melancholie

Theater heute - Logo

Vielleicht ist es der gelegentliche Schneesturm, der über die Bühne zieht, verwaschen, grau und sichtbar nasskalt. Vielleicht ist es das Akkor -deon, das manchmal eine Tango-Melodie anstimmt. Vielleicht ist es das einsame Bild des in die Jahre gekommenen Wohnwagens, der am hinteren Rand der Bühne steht. Und aus dem, neben Klarinettenklängen, jenes Akkordeon ertönt (Live-Musik mit Klarinette und Akkordeon von Vlatko Kucan und Jakob Neubauer).

Vielleicht ist es auch nur das Wundern darüber, dass die Regisseurin Karin Beier Bertolt Brechts «Herr Puntila und sein Knecht Matti» kaum als Komödie inszeniert.

Vielleicht. Vermutlich aber ist es all das zusammen, das einen mitten im Hamburger Schauspielhaus bei der Eröffnung der Spielzeit an die wortkargen und skurrilen Filme von Aki Kaurismäki denken lässt. Außenseiter und Arbeitslose spielen darin die Hauptrollen, Arbeiter und Alkoholiker. Und es ist natürlich auch das Wissen darum, dass Bertolt Brecht das Stück 1940/41 im finnischen Exil schrieb. Nach Erzählungen und einem Stückentwurf von Hella Wuolijoki, auf deren Gut er damals lebte.

Meyerhoff im Schafspelz
Joachim Meyerhoff spielt jenen Gutsherrn Puntila, der nur mit ausreichend ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute November 2024
Rubrik: Aufführungen, Seite 16
von Katrin Ullmann

Weitere Beiträge
Oblomow in Manhattan

Für ihren Bestseller «My Year of Rest and Relaxation» (2018) hat die amerikanische Schriftstellerin Ottessa Moshfegh eine Figur geschaffen, die es in Sachen Passivität mit dem berühmten russischen Romanhelden Oblomow aufnehmen kann. Wie dieser würde sich auch Moshfeghs namenlose Ich-Erzählerin am liebsten nur in ihrem Bett aufhalten. Die junge, attraktive,...

Schmierige Typen

Wie gehen wir mit Vorwürfen um, für die es keine eindeutigen Beweise gibt? Hat sich die Skepsis erst einmal festgesetzt, wird man sie so schnell nicht mehr los. Dann heißt es: im Zweifel für den Angeklagten. Denn wo nicht Recht vor Gerechtigkeit waltet, öffnen sich Tür und Tor der Barbarei. Doch was bedeutet das für die potenziellen Opfer? Auf welche Säulen können...

Wenn die Eins fluide wird

Wir sprechen auf einem Boot in der Rummelsburger Bucht, wo die Spree einen großzügigen Seitenarm hinstreckt, als wollte sie Berlin etwas Gutes tun. Es ist gerade noch ein Stück Innenstadt, wo man sich am Ufer auch ohne gewerblichen Schiffsverkehr etwas Erholung gönnen kann. Rund um die Bucht sind aber auch die Neubauten eingeschlagen – begehrter, benötigter...