Finnische Tristesse
Vielleicht ist es der gelegentliche Schneesturm, der über die Bühne zieht, verwaschen, grau und sichtbar nasskalt. Vielleicht ist es das Akkor -deon, das manchmal eine Tango-Melodie anstimmt. Vielleicht ist es das einsame Bild des in die Jahre gekommenen Wohnwagens, der am hinteren Rand der Bühne steht. Und aus dem, neben Klarinettenklängen, jenes Akkordeon ertönt (Live-Musik mit Klarinette und Akkordeon von Vlatko Kucan und Jakob Neubauer).
Vielleicht ist es auch nur das Wundern darüber, dass die Regisseurin Karin Beier Bertolt Brechts «Herr Puntila und sein Knecht Matti» kaum als Komödie inszeniert.
Vielleicht. Vermutlich aber ist es all das zusammen, das einen mitten im Hamburger Schauspielhaus bei der Eröffnung der Spielzeit an die wortkargen und skurrilen Filme von Aki Kaurismäki denken lässt. Außenseiter und Arbeitslose spielen darin die Hauptrollen, Arbeiter und Alkoholiker. Und es ist natürlich auch das Wissen darum, dass Bertolt Brecht das Stück 1940/41 im finnischen Exil schrieb. Nach Erzählungen und einem Stückentwurf von Hella Wuolijoki, auf deren Gut er damals lebte.
Meyerhoff im Schafspelz
Joachim Meyerhoff spielt jenen Gutsherrn Puntila, der nur mit ausreichend ...
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Theater heute November 2024
Rubrik: Aufführungen, Seite 16
von Katrin Ullmann
Neue Stoffe für die Bühne, mal was anderes als die Klassiker, bei denen sich da über die Jahrzehnte und -hunderte zu viel weltbildlicher Staub auf dem Kanon-Rücken angesammelt hat. Na, dann macht mal, muss sich Volkstheater-Intendant Christian Stückl gedacht haben, lässt er die Spielzeit doch von zwei Regisseurinnen mit frischen Stoffen eröffnen: Yorgos Lanthimos’...
Gegensätzlicher könnten die Saisoneröffnungen an den beiden großen Hauptstadtbühnen in diesem Herbst kaum ausfallen: «Stille» ist das erste Wort von Anja Schneider, als sie im «Schiff der Träume» am Deutschen Theater anhebt, vom Untergang der k.u.k-Epoche zu erzählen – vom Schiffbruch einer Opernund Arien-Hochglanzkultur, die sich aus aristokratischem Habitus und...
Die Entstehungsgeschichte beschreibt Thomas Köck zu Beginn so: »Eigentlich hatte ich B zugesagt, ein Jahr österreichischer Innenpolitik, also das eine Jahr vor den kommenden Nationalratswahlen, zu ‹begleiten› oder zu betrachten, eine Art fortlaufende, politische Bestandsaufnahme als Grundlage für einen Theaterabend, nicht mit dem Wunsch, eine knallharte Analyse zu...
