Drei Mal Leben
Wer die Hoffnung hegt, dass Frauen die besseren Menschen sind, insbesondere sich feministisch lesende, gut gebildete, diverse, postmigrantische, nachhaltig lebende, einander zugewandte Mittelschichtsfrauen im gerne auch besserverdienenden Hauptstadt-Umfeld, könnte enttäuscht werden. Das neue Stück von Golda Barton, einem Pseudonym aus dem Umfeld der Schauspielerin, Sängerin und Regisseurin Isabelle Redfern, räumt in dieser Hinsicht mit allen Illusionen auf.
Bartons Vorgängerstück «Sistas!» hatte drei Schwarze Schwestern sehr frei nach Tschechows modernem Klassiker in Westberlin verortet, wo sie zwar identitätspolitisch diskursfit brillieren, nur leider darüber die Eigenbedarfskündigung ihrer großzügigen Altbauwohnung übersehen. Der Nachfolger «Datscha» leiht sich die Überschreibungsfolie bei Gorkis «Sommergästen» aus, einer immergrünen Steilvorlage für wohlstandsmürbe gewordene Bürgerlichkeit, egal ob mit Geld oder ohne.
Sie treffen sich zum Wochenende in einer Datscha im Berliner Umland, heißen Cathrin (Peggy Bachmann), Kelly (Trang Le Hong), Leeta (Diana Marie Müller), Mardja (Isabelle Redfern) und Julia (Sylvana Seddig), haben gerne Medizin oder etwas Kulturwissenschaftliches ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute November 2024
Rubrik: Aufführungen, Seite 18
von Franz Wille
Wie gehen wir mit Vorwürfen um, für die es keine eindeutigen Beweise gibt? Hat sich die Skepsis erst einmal festgesetzt, wird man sie so schnell nicht mehr los. Dann heißt es: im Zweifel für den Angeklagten. Denn wo nicht Recht vor Gerechtigkeit waltet, öffnen sich Tür und Tor der Barbarei. Doch was bedeutet das für die potenziellen Opfer? Auf welche Säulen können...
Stressfrei ist Stefan Bachmanns Start an der Burg nicht über die Bühne gegangen. Einige der ersten Premieren seiner Direktion waren vom Pech verfolgt. Für den Eröffnungs-«Hamlet» (TH 10/2024) hatte der angekündigte Star, Ifflandring-Träger Jens Harzer, schon vor dem Sommer abgesagt. Zum Premierenapplaus kam Regisseurin Karin Henkel dann auch noch mit Beinschiene...
Für ihren Bestseller «My Year of Rest and Relaxation» (2018) hat die amerikanische Schriftstellerin Ottessa Moshfegh eine Figur geschaffen, die es in Sachen Passivität mit dem berühmten russischen Romanhelden Oblomow aufnehmen kann. Wie dieser würde sich auch Moshfeghs namenlose Ich-Erzählerin am liebsten nur in ihrem Bett aufhalten. Die junge, attraktive,...
