Im Schlachthaus
Einmal klebt der Biberkopf dem Franz auf dem Rücken wie ein Beatmungsgerät, als wolle er ihm Energie in den müden, schlappen Körper pumpen. Der Franz hat’s jetzt auch wirklich nötig: Aus dem Täter ist längst auch ein Opfer geworden, der dem kriminellen Sumpf, in dem er nach vier Jahren Gefängnis wieder gelandet ist, nicht entfleuchen kann. Der Großstadtmoloch Berlin spuckte ihn aus und schlürfte ihn wieder ein.
Dušan David Parízek hat sich in seiner zweistündigen Bühnenbearbeitung von Alfred Döblins «Berlin Alexanderplatz» am Stuttgarter Schauspiel die Hauptperson in zwei Charaktere geteilt: den Franz spielt der große, kräftige, schwere Rainer Galke, «seinen Biberkopf» die schlanke, agile Sylvana Krappatsch. Zwei in einem, die gegensätzlicher nicht sein könnten. Galke gibt eher den «klassischen» Franz, etwas tumb, leidend und phlegmatisch, Krappatsch ein straßen -jungenhaft gewieftes und tätiges Pendant. Zwei von sehr vielen Menschen werden gezeigt, die gewalttätig, ohne soziale Erdung, politisch desorientiert die Gewaltstatistik der Weimarer Republik kräftig nach oben drückten.
Auch wenn die 1920er Jahre derzeit stofflich und thematisch an den Theatern geradezu boomen – vor allem ...
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Theater heute November 2024
Rubrik: Chronik, Seite 60
von Verena Großkreutz
Pläne der Redaktion
Josephine Köhler ist am Stuttgarter Schauspiel für die Rollen starker, autarker, auch mächtiger Frauen zuständig: ein Porträt
Rechtzeitig vor Weihnachten – Theaterbücher von und über Enis Maci & Pascal Richmann (Foto), Caroline Peters, Charly Hübner, Volker Lösch, Maren Kames, Rainald Goetz, Christoph Rüping, Veit Sprenger u.a.
Wunder gefällig?...
Hinter den drei steinernen Art-Deco-Torbögen des Leipziger Grassi-Museums wartet das geheimnisvolle Transsylvanien mit dem dunklen Fürsten Nosferatu. Das Schauspiel Leipzig nutzt den Hof des Museums für einen Ausflug in einen Horrorklassiker, inszeniert von Katharina Ramser, die mit dem «Nosferatu» zugleich ihre erste Arbeit am Leipziger Theater zeigt.
Die Fassung...
Neue Stoffe für die Bühne, mal was anderes als die Klassiker, bei denen sich da über die Jahrzehnte und -hunderte zu viel weltbildlicher Staub auf dem Kanon-Rücken angesammelt hat. Na, dann macht mal, muss sich Volkstheater-Intendant Christian Stückl gedacht haben, lässt er die Spielzeit doch von zwei Regisseurinnen mit frischen Stoffen eröffnen: Yorgos Lanthimos’...
