Fieber, cool und heiß
Wenn zwei Frauen sich streiten, freut sich die Dritte. Claudia Bauer ist die Dritte in diesem Fall, bei dem es um Elisabeth, Königin von England, und Maria Stuart, Königin von Schottland, geht und eigentlich um die Frage, wie tief man moralisch sinken kann, wenn man die Macht hochhalten will. Zwei Konkurrentinnen bekämpfen sich da bis zum tödlichen Ende der einen – aber die Regisseurin Bauer sieht ihnen keineswegs empört, vielmehr ein wenig amüsiert, wenn nicht gar anspornend zu.
Ihre «Maria Stuart»-Inszenierung zur Eröffnung der Mannheimer Schillertage wirkt wie der emphatische Bericht eines Kommentators am Rande des Boxrings: Erst wenn das Blut richtig fließt, gewinnt der Fight an Farbe und wird entschieden. Warum sich die beiden die Köpfe einschlagen, warum die eine rigoros außer Kontrolle gerät, bis die andere auf der Strecke bleibt, interessiert Bauer weniger.
Wenn schon der erste Blick auf ein Schachbrett fällt, das diagonal den Bühnenboden bedeckt, ist Vorsicht geboten. Deutlicher kann man nicht zeigen, dass es hier gleich zu einem Kampf kommen wird. Patricia Talacko hat im Hintergrund noch eine Reihe identischer Garderobenboxen bauen lassen, die sich hinter ...
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Theater heute August/September 2019
Rubrik: Festivals, Seite 14
von Bernd Noack
Die Londoner Theaterlandschaft, einst quasi monolithisch-exklusiv in der Hand weißer Intendanten-Männer, ist seit einiger Zeit im Umbruch. Und die Veränderung nimmt gerade ordentlich Fahrt auf. Natürlich gab es in diesem ausgesprochen unausgesprochenen Testosteron-Territorium auch immer mal wieder Ausnahmefrauen. Aber in einer Hauptstadt, in der 270 Nationen...
Übermut ist diesem Peer fremd. Er ist ein Träumer nicht aus Lust, sondern aus Not: Seine Träume sind verdrehte Fluchtversuche, sucht er doch im Eskapismus die Anpassung, im Ausbruch den Einbruch, sehnt er sich doch nach Zugehörigkeit und Heimkehr. Seine Großmannsfantasien sind ein fortwährendes Ringen um Liebe und um Anerkennung, das ebenso fortwährend scheitern...
Hamlets längster Monolog dauert gute 25 Minuten und ist weitgehend stumm: Er kommt dabei von den ganz großen Fragen – «Was ist der Mensch?» – schnell auf seine ganz besondere Frage – «Wie steh ich da?» – und auf sein ganz spezielles Dilemma: «Der Vater umgebracht, beschmutzt die Mutter, Verstand und Blut aufs Äußerste gereizt – und rühr mich nicht.» Und dann steht...
