Basel: Ewig auf Sendung
Öffnen Sie keine Türen (könnte gefährlich sein)! Sprechen Sie keine Leute in blassgrünen Kitteln an (alle in ihre Arbeit vertieft)! Verhalten Sie sich leise (das Haus ist immer auf Sendung)! Das sind so die Benimmregeln, die der Theatermacher Thom Luz für den szenischen Rundgang namens «Radio Requiem» im stillgelegten Sendestudio auf dem Basler Hausberg, dem Bruderholz, vorgibt.
Wobei für Ortsfremde unbedingt hinzuzufügen ist: Wir sind hier nicht irgendwo. Im Studio Basel hat das Schweizer Radio DRS über 80 Jahre Geschichte geschrieben und Geschichten gemacht.
Der nationale Popsender erlebte hier seine wildesten Jahre. An diesem Ort wurden schon erstklassige Hörspiele produziert, als das Genre noch für Straßenfeger zuständig war. Ende der 80er richtete dann das zweite öffentlich-rechtliche Radio-Programm auf dem Bruderholz eine standfeste Kultur-Bastion ein – nah bei den Stammhörern, denn das Studio Basel liegt mitten im Villenviertel und nur einen Steinwurf von einem Nobelrestaurant mit zwei Michelin-Sternen entfernt.
Tempi passati. Radio DRS sendet seit Neuestem aus dem zentralbahnhofsnahen Meret-Oppenheim-Haus, selbstredend ein Kunstbau der Basler Architekten Herzog & de ...
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Theater heute August/September 2019
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Stephan Reuter
Aufführungen
Am Berliner Ensemble startet der unermüdliche Ersan Mondtag mit Brechts radikal asozialem Geniekünstlerdrama «Baal», am Gorki Theater denkt Oliver Friljic Tolstois «Anna Karenina» mit Dostojewskis «Arme Leute» zusammen, an der Volksbühne gräbt Interims-Schauspieldirektor Thorleifur Örn Arnarsson nach Homers «Odyssee», und an der Schaubühne bezieht...
Klingt entschieden endzeitlich, was sich Christoph Marthaler als Neuproduktion für die Ruhrtriennale vorgenommen hat: «Nach den letzten Tagen. Ein Spätabend». Die Musik dazu «erklingt in einem imaginären Parlament, in dem Abgeordnete dokumentierte Reden aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, der Gegenwart und der nahen Zukunft halten, die katastrophale...
Fast jedes «man» in diesem Text könnte wahrscheinlich ein «Mann» sein. Denn auch wenn hier eine Frau schreibt, ist diese Theaterwelt immer noch eine oft sehr männliche Welt – und nicht nur die. Dessen sind sich Stefan Pucher und die Volksbühne sehr bewusst, wie schon an Ankündigung und Programmheft für die Inszenierung von Wedekinds «Lulu» zu erkennen ist....
