Familienausflug ins KZ

nach Yasmina Reza «Serge» am Akademietheater Wien

Theater heute - Logo

Die Komödien von Yasmina Reza sind allseits beliebt, es gibt allerdings nur relativ wenige davon. Also sicherte das Burgtheater sich die Bühnenrechte für den jüngsten Roman der französischen Boulevardvirtuosin. «Serge», 200 Seiten kurz, schildert eine krisenhafte Episode im Leben einer jüdischen Pariser Familie, deren Kern die drei Geschwister Serge, Jean und Nana bilden. Die Handlung setzt nach dem Tod der Mutter ein.

Beim Begräbnis kommt Enkelin Joséphine (Lilith Häßle) auf die fatale Idee, einen Familien -ausflug nach Auschwitz zu unternehmen; immerhin waren viele Verwandte der aus Ungarn stammenden Mutter bzw. Großmutter im KZ ermordet worden. «Gestern Augenbrauenakademie, heute Judenvernichtung!», ätzt Joséphines Vater Serge über die Auschwitz-Pläne seiner Tochter, einer Visagistin, der er gerade eine Fortbildung finanziert hat. Beim Sightseeing im ehemaligen Vernichtungslager wird das ohnedies fragile Verhältnis der Geschwister jedenfalls einem extremen Belastungstest unterzogen.

Serge (Roland Koch) ist ein Mann in den Wechseljahren, der dauernd eine rauchen will und nichts mehr richtig auf die Reihe kriegt, sich das selbst aber noch nicht eingestanden hat; die inneren ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute 4 2023
Rubrik: Chronik, Seite 62
von Wolfgang Kralicek

Weitere Beiträge
Maria Lazar: Die Eingeborenen von Maria Blut

In dem schönen Ort Maria Blut
werden alle Schmerzen wieder gut,
bringst der Gottesmutter nur aus Wachs die Hand
und dann brauchst kein Medizin und kein Verband,
Medizin und Verband viel Geld dir kosten tät,
sie aber machts für ein Gebet.

 

FIGUREN
(Besetzung der Uraufführung der Bühnenfassung im Wiener Akademietheater)
Stimme der Erzählerin (Stefanie Dvorak)
Doktor...

Theater seiner Zeit

Das 1995 im Henschelverlag erschienene Theaterlexikon der DDR würdigt den am 14. Februar dieses Jahres verstorbenen Friedo Solter als überaus vitalen, sinnlich, gestisch und sprecherisch wirkungsvollen Schauspieler und preist seine Regiearbeiten als maßstabsetzend an, «weil er auf lange Zeit einen gültigen Beitrag zur Rezeption des klassischen Erbes geleistet» und...

Zart und hart

Istanbul in den 1990ern. Ein Mann steht in seiner neuen Wohnung und stellt sich vor, wie sehr sich seine Frau und die vier Kinder freuen werden, wenn sie sie zum ersten Mal zu sehen bekommen. Er hat jahrzehntelang als Arbeitsmigrant in Deutschland geschuftet, um sich die Eigentumswohnung leisten zu können. Doch bevor er sie vorzeigen kann, stirbt er an einem...