Hoiotoha, hoiotoho, here we go, here we go!
Hier bleibt alles, wie’s ist: Das heißt, es wird schlimmer …», stellt Caren Jeß ihrem Stück im Prolog voran. «Die Walküren» – bei ihr, die das Stück aus dem Chor der neun mythologischen Wesen heraus denkt, explizit im Plural – nimmt deutlich Bezug auf Richard Wagners fast gleichnamiges Musikdrama und ist doch mehr als eine Überschreibung. Jeß potenziert den Stoff, überhöht ihn ins Groteske und lenkt den Fokus sanft, aber bestimmt auf die weiblichen Figuren.
Handlungsstränge, Konstellationen und Motive des Librettos behält sie durchaus bei, umspielt sie aber fantasievoll, beziehungsweise hat, so in einer frühen Fassung des Prologs, die Figuren «so lange gekitzelt, bis sie die Wahrheit performten».
Der Auftrag zur dramatischen Auseinandersetzung mit Wagners Werk steht im Kontext eines spartenübergreifenden «Ring»-Projekts am Staatstheater Braunschweig. «Ausweitung des Ringgebiets» begegnet der Idee des «Universalgenies» mit der Exzellenz von Kollektiven, sucht weniger nach der Synthese der Künste im Gesamtkunstwerk, denn nach Gebrochenheit und Heterogenität als Modell einer Gesellschaft in Transformation.
Caren Jeß, deren Stück als Schauspiel mit Beteiligung von Musiker:innen im ...
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Theater heute Jahrbuch 2022
Rubrik: Neue Stücke, Seite 152
von Katharina Gerschler
Die brutalen Folgen des Klimawandels werden sichtbar: Der Meeresspiegel steigt, Dürre- und Hitzeperioden nehmen zu, Hochwasser, Stürme und Überschwemmungen richten Verwüstungen an. Das Eis im Nordpolarmeer schmilzt dramatisch. Viele Tier- und Pflanzenarten sind bedroht oder bereits ausgestorben. Die Klimakrise schreitet jeden Tag voran, global und allgegenwärtig....
Als ich an diesem zukünftigen Abend ins Theater ging, fiel mir zuerst eine Gruppe auf, die sich vor dem Theater austauschte. Sie waren alt und jung, sprachen angeregt und respektvoll miteinander. Aus Gesprächsfetzen nahm ich wahr, dass es sich teils um dem Theaterbetrieb zugehörige Personen einer Künstlerischen Leitungsgruppe handelte, teils um außenstehende...
Ich habe das Theater immer sehr geliebt, und dennoch gehe ich fast nie mehr hin. Das ist ein Wandel, der mich selbst befremdet. Was ist geschehen? Wann ist es geschehen? Habe ich mich verändert? Oder das Theater? Liebe ich es nicht mehr, oder liebe ich es zu sehr?», fragt sich der ehemalige leidenschaftliche Theater -gänger Roland Barthes, als er sich, älter...
