Hoiotoha, hoiotoho, here we go, here we go!
Hier bleibt alles, wie’s ist: Das heißt, es wird schlimmer …», stellt Caren Jeß ihrem Stück im Prolog voran. «Die Walküren» – bei ihr, die das Stück aus dem Chor der neun mythologischen Wesen heraus denkt, explizit im Plural – nimmt deutlich Bezug auf Richard Wagners fast gleichnamiges Musikdrama und ist doch mehr als eine Überschreibung. Jeß potenziert den Stoff, überhöht ihn ins Groteske und lenkt den Fokus sanft, aber bestimmt auf die weiblichen Figuren.
Handlungsstränge, Konstellationen und Motive des Librettos behält sie durchaus bei, umspielt sie aber fantasievoll, beziehungsweise hat, so in einer frühen Fassung des Prologs, die Figuren «so lange gekitzelt, bis sie die Wahrheit performten».
Der Auftrag zur dramatischen Auseinandersetzung mit Wagners Werk steht im Kontext eines spartenübergreifenden «Ring»-Projekts am Staatstheater Braunschweig. «Ausweitung des Ringgebiets» begegnet der Idee des «Universalgenies» mit der Exzellenz von Kollektiven, sucht weniger nach der Synthese der Künste im Gesamtkunstwerk, denn nach Gebrochenheit und Heterogenität als Modell einer Gesellschaft in Transformation.
Caren Jeß, deren Stück als Schauspiel mit Beteiligung von Musiker:innen im ...
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Theater heute Jahrbuch 2022
Rubrik: Neue Stücke, Seite 152
von Katharina Gerschler
Fangen wir mit den schwierigen Nachrichten an: 15 Kritiker:innen ist dieses Jahr kein Haus eingefallen, das sie guten Gewissens zum «Theater des Jahres» küren möchten. Ist die Branche erschlagen von pandemiebedingt angestauter Premierenfülle, vielen Ausfällen und Unsicherheiten? Oder ist nach halbwegs überstandenem Corona-Desaster eigentlich jede Bühne ein Sieger?...
Eine tolle Kollegin, mit der ich viel zu selten Kaffee trinken gehe, meinte vor Kurzem zu mir, sie hätte einmal die schon recht erfahrene Vorzimmerdame eines größeren deutschen Theaters, die schon einige Wechsel von einigen Intendierenden in ihrem Vorzimmerleben miterlebt hat, gefragt, wie das denn nun so sei, über all die Jahre, mit all den Wechseln, und ob es...
Viel hatte die Freie Szene sich vorgenommen nach dem ersten Schock der Pandemie. Ansätze für strukturelle Veränderungen hatte es schon vorher gegeben. Die Missstände waren seit Langem bekannt und die Konzepte, um sie zu bearbeiten, lagen schon in den Schubladen. Nun sollten sie endlich auch umgesetzt werden. Ein Wendepunkt?
Darauf haben wir auch bei den Impulsen...
