Emotionaler Hardrock
Nächste Saison geht Jörg Pohl nach Hamburg. Weg von Zürich. Leider. Denn selten trifft man in einem Theater auf einen jungen Schauspieler wie ihn, von dem man bei der ersten Begegnung denkt: «Klar, hochbegabt», und bei der zweiten: «Hm, vielleicht sogar genial?», und bei der dritten: «Okay, zweifellos genial.» Einen, dem man gerne noch jahrelang zuschauen möchte, beim Wachsen, beim Älterwerden, beim Zweifeln, vielleicht auch ausnahmsweise einmal beim Scheitern – und immer wieder beim Brillieren.
Jörg Pohl ist einer, der die schwierigsten Rollen mit einer intelligenten Leichtigkeit in unerwartete Höhen stemmt. «Richtig Arbeit ist es für mich eigentlich nicht. Das ist ja ein großer Genuss, eine Lust und ein Privileg», sagt er dazu, «aus Texten werden Menschen, das ist ein total schizophrener und wunderbarer Vorgang, überraschend und absurd.»
Exzessive Borderliner: Dostojewskis Idiot und Burgess’ Alex
Stimmt. Denn da war Jörg Pohl in der letzten Saison als Alex in «Clockwork Orange» nach Anthony Burgess (Regie David Bösch) und als kindlicher Fürst Myschkin aus «Der Idiot» von Dostojewski (Regie Alvis Hermanis), zwei riesige, ungeheuer textlastige Rollen, die er mit einer ...
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Ein gläserner Tunnel liegt wie ein Gedärm in der Maschinenhalle Zweckel/Gladbeck. Und wir darin, ein zähflüssiger Besucherstrom, schieben uns langsam vorwärts ins Halleninnere. Linkerhand stapeln Arbeiter «Marina»-Pflanzenmargarine, dort hinten spielen Mädchen in einem Kabuff Ringelreihen. In die Tunnelwände sind Monitore eingelassen, die das Areal abfilmen. «Man...
Mit Sandro Lunin hat ein Kenner des afrikanischen Theaters die künstlerische Leitung des Spektakels neu übernommen. Sein Programm ließ auf etwas schließen, was man mitunter von Freunden kennt, die unterschiedliche Teile Afrikas länger aus der Nähe gesehen haben: Die sind vom Kitschsyndrom, einer touristisch hilflosen Umkehrung von Rassismus, in der Regel kuriert....
Zwei junge Männer lagern auf einer Matratze. Starren und schweigen den Bühnenhimmel an, und von dort oben glotzt zurück das Nirgendwo, das den in Sinnfragen mutwillig unbehausten Helden Meursault in Albert Camus’ Kurzroman «Der Fremde» erst umhüllt, und dann genüsslich erdrosselt. Zwei junge Männer also, und da springt der eine auf, feixt und flucht, ein Dutzend...
