Der Realitäts-Komplex
Was Film von Theater unterscheidet, ist vor allem der intensivere Realismus des Films. So heißt es. Im Film können Dinge so abgebildet werden, dass der Zuschauer sie glauben kann. Im Theater weiß man immer, dass nur gespielt wird. Man weiß, dass das, was passiert, nicht «real» ist. Und so hat Theater dann auch eine größere Distanz zur Realität als der Film. Da ist das Theater im Nachteil.
Wirklich?
Vor über zwei Jahren traten in meiner Inszenierung des Jelinek-RAF-Textberges «Ulrike Maria Stuart» zwei Männer in Frauenkleidern vor den Vorhang, die die ganze Zeit behaupteten, Ulrike Meinhof zu sein, bei denen es sich aber, wie sich bald herausstellen sollte, in Wirklichkeit um Stefan Aust und Bernd Eichinger handelte, die gekommen waren, um mittels eines Trailers ihren neuen Film «Der Untergang Teil II – Die letzten Tage von Stammheim» zu bewerben.
Was hier vielleicht nach einer albernen Theaterszene, nach einem irrelevanten Regietheater-Gag klingt, hat sich mittlerweile als prophetische Vision herausgestellt!
Denn genau so ist es gekommen: Genau so! Tatsächlich stehen Bernd Eichinger und Stefan Aust auf der Medienbühne des diesjährigen deutschen Herbstes, in bunten Leibchen als ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute John von Düffel, vor drei Jahren haben Sie für das Thalia Theater in Hamburg Thomas Manns «Buddenbrooks» dramatisiert, ein Stück, das nicht nur bis heute dort auf dem Spielplan steht, sondern in dieser Saison an zahlreichen Theatern nachgespielt wird. Worin besteht die künstlerische Herausforderung, wenn man aus einem 700-Seitean-Roman einen...
Nächste Saison geht Jörg Pohl nach Hamburg. Weg von Zürich. Leider. Denn selten trifft man in einem Theater auf einen jungen Schauspieler wie ihn, von dem man bei der ersten Begegnung denkt: «Klar, hochbegabt», und bei der zweiten: «Hm, vielleicht sogar genial?», und bei der dritten: «Okay, zweifellos genial.» Einen, dem man gerne noch jahrelang zuschauen möchte,...
Franz Wille Herr Hofmann, Sie kuratieren das renommierte Festival «Politik im Freien Theater», das im November in Köln stattfindet. Das fordert zwei Fragen heraus: Was ist Freies Theater, und was ist politisches Theater?
Rainer Hofmann Das versuchen wir herauszu-finden. Von den vier Worten «Politik im Freien Theater» weiß ich nur, was «im» heißt. Zu allem anderen...
