«Viele sind tot, viele sind untot. Hallelujah!»
Ein gläserner Tunnel liegt wie ein Gedärm in der Maschinenhalle Zweckel/Gladbeck. Und wir darin, ein zähflüssiger Besucherstrom, schieben uns langsam vorwärts ins Halleninnere. Linkerhand stapeln Arbeiter «Marina»-Pflanzenmargarine, dort hinten spielen Mädchen in einem Kabuff Ringelreihen. In die Tunnelwände sind Monitore eingelassen, die das Areal abfilmen. «Man sah einen Baum, der Baum war verboten. / Man sah einen Zaun, der Zaun war verboten», klingt es eisig über die Lautsprecher.
Wir stoßen in die zentralen Tunnelschleifen vor, umkreisen ein Bettenlager, das im Herzen der Halle aufgebaut ist. Gut einhundert Laienakteure aus dem Ruhrgebiet siedeln hier, darunter eine Turnergruppe, eine Hochzeitsgesellschaft, Leute in Strahlen- schutzanzügen. Den Platz überragt eine Kuppel wie ein futuristischer Altar. Darin begleitet eine Jazz-Combo Sandra Hüller, die mit Björk-artigem Sprechgesang oder a cappella düstere Botschaften von Rolf Dieter Brinkmann in den Äther schickt.
Ausnahmezustand nach Kamerun
Der Ex-Punk und Theatermacher Schorsch Kamerun hat sich mit der Bühnenbildnerin Constanze Kümmel «Westwärts 1&2», den letzten Gedichtband Brinkmanns aus dem Jahr 1975, vorgenommen und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Franz Wille Herr Hofmann, Sie kuratieren das renommierte Festival «Politik im Freien Theater», das im November in Köln stattfindet. Das fordert zwei Fragen heraus: Was ist Freies Theater, und was ist politisches Theater?
Rainer Hofmann Das versuchen wir herauszu-finden. Von den vier Worten «Politik im Freien Theater» weiß ich nur, was «im» heißt. Zu allem anderen...
Dass Torberg immerhin auch dafür sorgte, dass sich der Nachruhm des wunderbar kauzigen austriakischen Dichters Fritz von Herzmanovsky-Orlando bei einem breiteren Publikum entfalten konnte, nahmen die wenigen Kenner von dessen Werken ihm eher übel – weil er sie sprachlich geglättet, mehr ins Witzige eines einverständlichen Humors transkribiert hatte. Der bedeutende...
In knapp viereinhalb Minuten ist eine harmlose Freizeitaktivität in etwas Unbegreifliches umgeschlagen, und, so viel sei hier verraten, auch in den restlichen 78 Minuten wird der Zuschauer nichts Weiteres über die Beweggründe dieser seltsamen Tat erfahren.Wüsste man es nicht, man würde gewiss nicht vermuten, dass dieser still forschende, beinahe dokumentarisch...
