«Viele sind tot, viele sind untot. Hallelujah!»

Der RuhrTriennale zweiter Teil: Postindustrielle Befindlichkeiten bei Christoph Schlingensief, Schorsch Kamerun, Ivo van Hove, Sebastian Nübling und Händl Klaus

Theater heute - Logo

Ein gläserner Tunnel liegt wie ein Gedärm in der Maschinenhalle Zweckel/Gladbeck. Und wir darin, ein zähflüssiger Besucherstrom, schieben uns langsam vorwärts ins Halleninnere. Linkerhand stapeln Arbeiter «Marina»-Pflanzenmargarine, dort hinten spielen Mädchen in einem Kabuff Ringelreihen. In die Tunnelwände sind Monitore eingelassen, die das Areal abfilmen. «Man sah einen Baum, der Baum war verboten. / Man sah einen Zaun, der Zaun war verboten», klingt es eisig über die Lautsprecher.

Wir stoßen in die zentralen Tunnelschleifen vor, umkreisen ein Bettenlager, das im Herzen der Halle aufgebaut ist. Gut einhundert Laienakteure aus dem Ruhrgebiet siedeln hier, darunter eine Turnergruppe, eine Hochzeitsgesellschaft, Leute in Strahlen­- schutz­anzügen. Den Platz überragt eine Kuppel wie ein futuristischer Altar. Darin begleitet eine Jazz-Combo Sandra Hüller, die mit Björk-artigem Sprechgesang oder a cappella düstere Botschaften von Rolf Dieter Brinkmann in den Äther schickt.
 

Ausnahmezustand nach Kamerun

Der Ex-Punk und Theatermacher Schorsch Kamerun hat sich mit der Bühnenbildnerin Constanze Kümmel «Westwärts 1&2», den letzten Gedichtband Brinkmanns aus dem Jahr 1975, vorgenommen und ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute November 2008
Rubrik: Aufführungen, Seite 30
von Christian Rakow

Vergriffen
Weitere Beiträge
Die Liebe zum Fremden

Mit Sandro Lunin hat ein Kenner des afrikanischen Theaters die künstlerische Leitung des Spektakels neu übernommen. Sein Programm ließ auf etwas schließen, was man mitunter von Freunden kennt, die unterschied­liche Teile Afrikas länger aus der Nähe gesehen haben: Die sind vom Kitschsyndrom, einer touristisch hilflosen Umkehrung von Rassismus, in der Regel kuriert....

Bewegungen in Kopf und Darm

Der Weltreisende ist ungnädig mit den Künsten. Im Theater habe er sich stets gelangweilt, teilt er dem Mathematikgenie mit. Ganz richtig, ruft Gauß, und Humboldt mäkelt weiter. Jetzt über Romane, die sich in Lügenmärchen verlören, weil der Verfasser seine Flausen an die Namen geschichtlicher Personen binde.

Wir befinden uns auf Seite 221 und damit im letzten Drittel...

Situationen des Politischen

Franz Wille Herr Hofmann, Sie kuratieren das renommierte Festival «Politik im Freien Theater», das im November in Köln stattfindet. Das fordert zwei Fragen heraus: Was ist Freies Theater, und was ist politisches Theater?

Rainer Hofmann Das versuchen wir herauszu-finden. Von den vier Worten «Politik im Freien Theater» weiß ich nur, was «im» heißt. Zu allem anderen...