Portrait Dimiter Gotscheff

Am 26.4 wird Dimiter Gotscheff 70 Jahre alt. Zu diesem Anlass ein Auszug aus dem Buch «Das Schweigen des Theaters - Der Regisseur Dimiter Gotscheff»

 

Lustig ist Gotscheff nie, komisch nur manchmal, grotesk fast immer. Die Kategorie des menschlichen Mitleids stellt er nur zur Verfügung, wenn er Figuren inszeniert, auf die Heiner Müllers Satz «Und immer noch rasiert Woyzeck seinen Hauptmann» zutrifft.

Aus ihnen macht er Giacometti-Figuren, aber reine Opfer sind auch sie nicht, sondern in ihrem Opportunismus ein Stück weit mit Schuld an ihrer Lage. Für die Hauptmänner der Welt, also für uns, die meisten, die gesellschaftliche Mitte, hat er die Kategorie der Groteske, d. h.

die Verzerrung der Existenz zur Kenntlichkeit, und fällt vernichtende Urteile.

«Gotscheff, der nie Veterinärmediziner war, ist als Regisseur Veterinärmediziner geblieben. Bis in die Wortwahl. Er spricht bei der Arbeit von «Kreaturen» und «Kretins», «Kakerlaken», «Hunden», «Amöben», «Ratten» oder «Geiern», wenn er Menschen meint. Und er schließt sich selbst ein: «Schmeißfliege» oder «Parasit des Westens». Got­scheff spricht gerne so. Mit eben dem bissigen Gelächter, das er sich vom Zuschauer erhofft. 

Die Grenze zur Menschenverachtung aber überschreitet er nie. Dies entspricht nicht seiner Haltung, es würde ihn als Künstler, der den Ausdruck für den Menschen sucht, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen
Weitere Beiträge
Gegenkritik

spekulation.

kann man einen zusammenhang erkennen zwischen der erschreckenden zunahme der krankheit krebs und der gesellschaft, in der sie derartig zunimmt? krebs hat ja als überproduktion von zellen zumindest strukturell gemeinsamkeiten mit bestimmten ökonomischen erscheinungen im kapitalismus.

oder hat diese krankheit etwas mit der deckelung bestimmter...

Was spielen sie?

Eine überdurchschnittliche Disposition zum Wahnsinn ist dem Monarchen Lear in Dresden eigentlich nicht anzumerken. Dieter Mann, der am dortigen Staatsschauspiel bereits gastweise als Senior-Feldherr Wallenstein und als altersweiser Religionslehrmeister Nathan aufgetreten war, wirkt bei der anfänglichen Reichsaufteilung unter seinen drei Töchtern eher wie ein...

Worms am Lagerfeuer

Zwerge kommen und gehen, Knaben verlieren Haupt und Leben, eisige Damen rätseln, von wem sie gerade entjungfert wurden. Hebbels «Trauerspiel in drei Abteilungen» ist passagenweise ein markiger Erzählstoff für lauschige Stunden am Lagerfeuer. Genau dort ist der urdeutsche Mythos in Heidelberg inzwischen auch angekommen. Die Recken rund um Hagen hausen im...