Einladung zur Verinselung
Der Ozean schäumt, gischtet, brandet. Wellen türmen sich zu enormer Höhe auf, Wassermassen schieben heran, ein schwarzgraues, dunkles Wogen, das in weißer, brodelnder Gischt endet, während sich im Hintergrund schon die nächsten Riesenwellen aufschichten, schieben, gischten, bis sie brechen. Der silbergraue Himmel geht unterschiedslos in wütendes Wasser über.
Ohrenbetäubendes Tosen, Rauschen, Gluckern begleitet das Naturschauspiel von erhabener Schönheit und verleitet zur Versenkung in dieses unablässige Wogen sturmbewegten Wassers, das stets anders aussieht und sich doch stets gleicht. Furchterregend und hypnotisch, bedrohlich, bezwingend und betörend.
Die Video- und Klanginstallation «Thirst» von Voldemars Johansons zeigt einen Sturm vor den Färöer-Inseln. Sie ist Teil des Festivals Theaterformen in Braunschweig, das im Juli als «Sonderausgabe» stattfand. «Kann man sich hier irgendwo unter das Volk mischen?», hatte kurz zuvor ein Passant die künstlerische Leiterin Martine Dennewald gefragt. «Das Volk», das sind am Eröffnungsabend im Staatstheater Braunschweig ein Dutzend verstreute Zuschauer*innen. Denn das Festival antwortete auf die Einschränkungen durch die Maßnahmen zur ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Oktober 2020
Rubrik: Festivals, Seite 10
von Esther Boldt
Es ist nostalgisch schön, nach (und vor) vielen Stunden Theaterstreaming mal am guten alten Festnetztelefon zu sitzen und Ilia Papatheodorou von She She Pop am Ohr zu haben. Gemeinsam schaffen wir Erinnerung im Erzählen: Sie schwärmt mir von der Aufführung «The Real Fiction» von Cuqui Jerez in Bochum 2007 vor, eine absurde Pannenshow des rituellen Scheiterns, die...
Eigentlich sollte der Film Ende Mai ins Kino kommen: pünktlich zum 75. Geburtstag Rainer Werner Fassbinders. Wenn er denn so alt geworden wäre. RWF schaffte nur 37 Jahre, die allerdings derart voll mit Filmen, Theaterstücken, Skandalen, Liebe, Hass, Alkohol und Koks waren, dass Otto Normalverbraucher*in dafür mindestens fünf Leben gebraucht hätte. 44 Filme, 26...
Take that, Corona! Martin Kušej mag es zwar nicht, wenn man das Burgtheater verkürzt «die Burg» nennt, wie es die Wienerinnen und Wiener gern liebevoll tun, aber eine unwirtliche Festung war seine Eröffnungspremiere trotzdem. Burg passt eigentlich perfekt zu Kušejs martialischen Inszenierungen. Stattliche dreieinhalb Stunden inklusive Pause dauerte seine gewohnt...
