Einladung zur Verinselung
Der Ozean schäumt, gischtet, brandet. Wellen türmen sich zu enormer Höhe auf, Wassermassen schieben heran, ein schwarzgraues, dunkles Wogen, das in weißer, brodelnder Gischt endet, während sich im Hintergrund schon die nächsten Riesenwellen aufschichten, schieben, gischten, bis sie brechen. Der silbergraue Himmel geht unterschiedslos in wütendes Wasser über.
Ohrenbetäubendes Tosen, Rauschen, Gluckern begleitet das Naturschauspiel von erhabener Schönheit und verleitet zur Versenkung in dieses unablässige Wogen sturmbewegten Wassers, das stets anders aussieht und sich doch stets gleicht. Furchterregend und hypnotisch, bedrohlich, bezwingend und betörend.
Die Video- und Klanginstallation «Thirst» von Voldemars Johansons zeigt einen Sturm vor den Färöer-Inseln. Sie ist Teil des Festivals Theaterformen in Braunschweig, das im Juli als «Sonderausgabe» stattfand. «Kann man sich hier irgendwo unter das Volk mischen?», hatte kurz zuvor ein Passant die künstlerische Leiterin Martine Dennewald gefragt. «Das Volk», das sind am Eröffnungsabend im Staatstheater Braunschweig ein Dutzend verstreute Zuschauer*innen. Denn das Festival antwortete auf die Einschränkungen durch die Maßnahmen zur ...
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Theater heute Oktober 2020
Rubrik: Festivals, Seite 10
von Esther Boldt
Welche Rolle hat das Theater bei den politischen Protesten in Weißrussland gespielt? 26 Jahre lang hat Lukaschenko auf der Grundlage eines unausgesprochenen Kompromisses regiert: Er gab Stabilität, aber niemand war politisch aktiv. Es gab keine Reformen in Belarus, niedrige, aber stabile Gehälter, kaum Kriminalität – aber alle Wahlen waren intransparent, politische...
Aufführungen
Gleich nach der Corona-Pause kündigen sich große Staatsdramen an: Am Deutschen Theater Berlin zelebriert Anne Lenk Schillers Königinnen-Clash zwischen Maria Stuart und Elisabeth – Franziska Machens gegen Julia Windischbauer! Im Hamburger Schauspielhaus breitet Karin Henkel die jugendliche Vorgeschichte von Shakespeares Richard III. aus: «Richard the...
«Bitte erwarten Sie nichts, das ist nur ein theatralischer Trailer.» Mit diesem Vorwort lässt Regisseur, Hauptdarsteller und Musiker Christian Friedel gleich am Anfang die Luft aus sämtlichen Erwartungshaltungen, die sich an dieses «Searching for Macbeth» richten könnten. Per Video gibt es eine Einführung zum Stand der Dinge, was man eigentlich vorhatte (Musik,...
