Einladung zur Verinselung

Das Festival Theaterformen 2020 in Braunschweig verzichtet auf abgefilmtes Theater und erkundet transdisziplinär und multimedial Festivalneuland

Theater heute - Logo

Der Ozean schäumt, gischtet, brandet. Wellen türmen sich zu enormer Höhe auf, Wassermassen schieben heran, ein schwarzgraues, dunkles Wogen, das in weißer, brodelnder Gischt endet, während sich im Hintergrund schon die nächsten Riesenwellen aufschichten, schieben, gischten, bis sie brechen. Der silbergraue Himmel geht unterschiedslos in wütendes Wasser über.

Ohrenbetäubendes Tosen, Rauschen, Gluckern begleitet das Naturschauspiel von erhabener Schönheit und verleitet zur Versenkung in dieses unablässige Wogen sturmbewegten Wassers, das stets anders aussieht und sich doch stets gleicht. Furchterregend und hypnotisch, bedrohlich, bezwingend und betörend.

Die Video- und Klanginstallation «Thirst» von Voldemars Johansons zeigt einen Sturm vor den Färöer-Inseln. Sie ist Teil des Festivals Theaterformen in Braunschweig, das im Juli als «Sonderausgabe» stattfand. «Kann man sich hier irgendwo unter das Volk mischen?», hatte kurz zuvor ein Passant die künstlerische Leiterin Martine Dennewald gefragt. «Das Volk», das sind am Eröffnungsabend im Staatstheater Braunschweig ein Dutzend verstreute Zuschauer*innen. Denn das Festival antwortete auf die Einschränkungen durch die Maßnahmen zur ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Oktober 2020
Rubrik: Festivals, Seite 10
von Esther Boldt

Weitere Beiträge
Maschinenräume der Macht

Die Queen verlieh dieses Jahr einen Ritterorden für «services to drama» an James Graham. Mit relativ zarten 38 Jahren liegt er weit unter dem Durchschnittsalter für solch hochexklusive Insel-Ehren. Aber an Graham ist auch sonst nichts durchschnittlich: Er ist der zur Zeit produktivste politische Autor im britischen Theater, mit über 20 Arbeiten für die Bühne nebst...

Bremen Theater, Kleines Haus: Sterntaler

Der Eisbär hat keine Zukunft. Das Überleben des weltgrößten Landraubtiers ist akut gefährdet, weil die Klimakatastrophe das arktische Eis schmelzen lässt, was dem Tier den Zugang zu seinen Jagdgründen verwehrt. Der Eisbär wird also aus seinem Habitat vertrieben, und wo er stattdessen unterkommen soll, ist noch nicht ausgemacht. Er wird schon was finden. Oder auch...

Furcht vor der Liebe

Lacht nicht über mich, ich bin ein alberner und altersschwacher Mann» – und keiner lacht. Lears Weg von Amtsmüdigkeit zu Altersstarrsinn zu Kontrollverlust, Gedächtnisschwund und Identitätsaufweichung ist dem Publikum ein bekannter Weg. Johan Simons schickt in seiner Bochumer Inszenierung den König Lear vorweg schon auf die Bühne mit der Bitte um Nachsicht.

Aber...