Einladung zur Verinselung
Der Ozean schäumt, gischtet, brandet. Wellen türmen sich zu enormer Höhe auf, Wassermassen schieben heran, ein schwarzgraues, dunkles Wogen, das in weißer, brodelnder Gischt endet, während sich im Hintergrund schon die nächsten Riesenwellen aufschichten, schieben, gischten, bis sie brechen. Der silbergraue Himmel geht unterschiedslos in wütendes Wasser über.
Ohrenbetäubendes Tosen, Rauschen, Gluckern begleitet das Naturschauspiel von erhabener Schönheit und verleitet zur Versenkung in dieses unablässige Wogen sturmbewegten Wassers, das stets anders aussieht und sich doch stets gleicht. Furchterregend und hypnotisch, bedrohlich, bezwingend und betörend.
Die Video- und Klanginstallation «Thirst» von Voldemars Johansons zeigt einen Sturm vor den Färöer-Inseln. Sie ist Teil des Festivals Theaterformen in Braunschweig, das im Juli als «Sonderausgabe» stattfand. «Kann man sich hier irgendwo unter das Volk mischen?», hatte kurz zuvor ein Passant die künstlerische Leiterin Martine Dennewald gefragt. «Das Volk», das sind am Eröffnungsabend im Staatstheater Braunschweig ein Dutzend verstreute Zuschauer*innen. Denn das Festival antwortete auf die Einschränkungen durch die Maßnahmen zur ...
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Theater heute Oktober 2020
Rubrik: Festivals, Seite 10
von Esther Boldt
Die Queen verlieh dieses Jahr einen Ritterorden für «services to drama» an James Graham. Mit relativ zarten 38 Jahren liegt er weit unter dem Durchschnittsalter für solch hochexklusive Insel-Ehren. Aber an Graham ist auch sonst nichts durchschnittlich: Er ist der zur Zeit produktivste politische Autor im britischen Theater, mit über 20 Arbeiten für die Bühne nebst...
Der Eisbär hat keine Zukunft. Das Überleben des weltgrößten Landraubtiers ist akut gefährdet, weil die Klimakatastrophe das arktische Eis schmelzen lässt, was dem Tier den Zugang zu seinen Jagdgründen verwehrt. Der Eisbär wird also aus seinem Habitat vertrieben, und wo er stattdessen unterkommen soll, ist noch nicht ausgemacht. Er wird schon was finden. Oder auch...
Lacht nicht über mich, ich bin ein alberner und altersschwacher Mann» – und keiner lacht. Lears Weg von Amtsmüdigkeit zu Altersstarrsinn zu Kontrollverlust, Gedächtnisschwund und Identitätsaufweichung ist dem Publikum ein bekannter Weg. Johan Simons schickt in seiner Bochumer Inszenierung den König Lear vorweg schon auf die Bühne mit der Bitte um Nachsicht.
Aber...
